NORDENHAM - Am Tag der Deutschen Einheit werden viele Nordenhamer mit ihren Gedanken in Las Vegas sein. Dort feiert der berühmteste Sohn der Stadt seinen 65. Geburtstag: der Magier Roy aus dem Duo Siegfried & Roy. Jahrzehntelang waren die beiden weltweit die ungekrönten Könige unter den Zauberkünstlern und Dompteuren bis Roy 2003 von einem Tiger so schwer verletzt wurde, dass er seine Karriere beenden musste.
Auch Traute Jacob ist mit ihren Gedanken bei Roy. Sie kennt ihn aus einer Zeit, als er noch Uwe Horn genannt wurde. Uwe Horn wuchs in Blexen auf. Traute Jacob wohnte in der Nachbarschaft. Wir haben viel miteinander unternommen, erinnert sich die 64-Jährige. Die beiden wurden gemeinsam eingeschult. Wir haben uns bei den Hausaufgaben geholfen, erzählt Traute Jacob. Sechs Jahre sind sie in einer Klasse gewesen. Im Alter von 14 Jahren hat Uwe Horn dann auf einem Schiff als Steward-Lehrling angeheuert.
Roy war immer ein wenig in sich gekehrt, erinnert sich Traute Jacob an einen Charakterzug ihres damaligen Schulfreundes, der so gar nicht in das Bild des späteren Weltstars passen will. Die Nordenhamerin erinnert sich aber auch, dass Uwe Horn schon als Kind für Tiere und die Zauberei schwärmte. Er hat sich gerne verkleidet und kleine Kunststücke mit seinem Hund vorgeführt nur für uns Kinder.
Gepard auf dem Deich
Der Kontakt zu Uwe Horn ist nie ganz abgerissen. Auch Traute Jacobs Mann Fritz erinnert sich, wie Roy mit seinem Gepard Chico auf dem Blexer Deich spazierte, wenn er bei seiner Mutter zu Besuch war. Mit seinem Hobby verdiente sich Uwe Horn ein kleines Zubrot, gemeinsam mit Siegfried Fischbacher, den er auf einem Passagierschiff kennen gelernt hatte. Die Raubkatze war der tierische Star der Zaubershow, mit der Siegfried & Roy auf Kreuzfahrten die Gäste bei Laune hielten.
1964 gingen die Künstler von Bord und schlugen sich auf kleinen Variete-Bühnen in Deutschland und der Schweiz durch. Der große Durchbruch gelang dem Duo 1966 bei einem Rot-Kreuz-Ball in Monte Carlo. Anschließend konnten sie in ganz Europa auftreten, unter anderem im Lido in Paris. Dorthin verschlug es 1968 Fritz Jacob, der damals noch nebenberuflich Teppiche verkaufte. Mit Roys Mutter und einer Auswahl von Teppichmustern machte sich der heute 73-Jährige auf den Weg nach Frankreich. Roy wollte bei der Entscheidung über die Teppiche, die für das Haus seiner Mutter in Blexen bestimmt waren, unbedingt mitreden.
Das letzte Mal trafen sich das Ehepaar Jacob und die inzwischen zu Weltstars aufgestiegenen Magier 1995 in Las Vegas. Die Reise ins Spielerparadies mit einem Besuch der Zaubershow im Hotel Mirage war ein Geschenk für Traute Jacob zum 50. Geburtstag. Natürlich kam es auch zu einem persönlichen Treffen. Sie sind herzliche und sehr nette Menschen geblieben, denkt die Nordenhamerin gerne an den Besuch zurück.
Mit Roy gelitten
Den gleichen Eindruck hatte auch Jörg Albers, der dreimal die Show von Siegfried & Roy gesehen hat und jedesmal die Gelegenheit nutzte, anschließend mit dem früheren Blexer zu sprechen. Zehn Tage vor dem tragischen Unfall, der das Leben von Roy für immer veränderte, war Jörg Albers zum letzten Mal in der Show. Viele Fans haben in den Wochen, in denen Roy um sein Leben kämpfte, mit ihm gelitten.
Einige von ihnen setzen sich schon seit Jahren dafür ein, dass in Nordenham ein Platz oder wenigstens eine Straße nach dem berühmtesten Sohn der Stadt benannt wird. Bisher ohne Erfolg. Fritz Jacob, bekannt als Initiator dreier Narzissen-Pflanzaktionen, möchte einen kleinen Beitrag leisten, dass Uwe Horn in seiner Heimatstadt nicht in Vergessenheit gerät. Am Blexer Fähranleger dort wo Roy früher mit seinem Geparden Chico spazieren ging soll im nächsten Jahr ein großes Narzissenfeld erblühen. Es soll an den berühmten Magier erinnern.
