Nordenham - Das war es. Schluss aus, vorbei, das Fonsstock ist Geschichte. Bühne und Zelte sind abgebaut, die Bands wieder abgereist und die punkigen Festivalbesucher bleiben einfach Punks – oder aus ihnen werden wieder Lehrer, Steuerberater oder Handwerker. Zwei Tage lang war Nordenham das Mekka der Freunde des Punkrocks, jetzt ist es vorbei – bis zum nächsten Jahr, dem großen Jubiläum: 25. Fonsstock.
Für diesen runden „Geburtstag“ stehen alle Zeichen auf: „Das wird eine Feier, von der wir noch in 100 Jahren erzählen werden.“ Denn schon bei der 24. Auflage am Wochenende blieben kaum Wünsche offen. Rund 2000 Gäste – so viel wie seit 17 Jahren nicht mehr – feierten ausgelassen und friedlich miteinander.
Das sieht in der „Mosh-Pit“ und beim Pogen zwar manchmal rabiat aus, aber wer genau hinsieht, der erkennt: Sobald jemand hinfällt, helfen die anderen ihm auf. So geht Festival, so geht Fonsstock.
Nicht umsonst ist das Festival, das als Feier auf einem Garagendach entstand, auch unter den Bands beliebt – und das mittlerweile fast weltweit. Und auch die Polizei bestätigte am Sonntag auf Nachfrage der NWZ, dass das 24. Fonsstock aus polizeilicher Sicht ohne nennenswerte Vorfälle verlief.
Vielfältige Bands
Vom Metal der Nordenhamer Nachwuchsband „Keep me in your prayers“ bis hin zum Melodycore-Punk der Schweden von „No Fun at all“: Zwar sagt das Klischee, dass man nur drei Akkorde kennen muss, um eine Punkband zu gründen, aber die Vielfalt auf dem Fonsstock geht weit darüber hinaus. Die Headliner „No Fun at all“ am Samstagabend wurden von vielen natürlich sehnsüchtig erwartet, denn die vor allem in den 1990er Jahren aktive Punkband hat sich etwas rar gemacht, hatte sich zeitweise sogar aufgelöst. In diesem Jahr hat die Band allerdings ein neues Album auf den Markt gebracht und sorgt seitdem nicht nur auf dem Fonsstock für eine nostalgische Zeitreise zurück in den Punk der 1990er.
Aber auch Teenage Bottlerocket, die Headliner des Freitags und eher dem Skate-Punk zuzuordnen, brachten die Menge zum Toben – und erfüllten gleichzeitig einen langgehegten Traum von Jens „Locki“ Locker vom Fonsstock-Verein. „Seit Jahren wollte ich Teenage Bottlerocket auf dem Fonsstock haben“, erzählte er am Rande des Festivals gegenüber der NWZ. Dass es nun endlich geklappt hat, freue ihn sehr – und auch die wilden Tanzorgien der Fans gaben ihm Recht.
Älteste Boyband
Außerhalb der Headliner gab es ebenfalls keinen Grund zur Beschwerde. Bereits bei „Drei Meter Feldweg“ am frühen Freitagabend war das Festivalgelände voller als sonst auf solchen Veranstaltungen üblich. Bei den „Offenders“ aus Berlin kamen dann die Ska-Fans auf ihre Kosten. Am Samstag erwies sich erneut der Shantychor Nordenham als Publikumsmagnet, bevor dann am Abend „Teenage Bubblegum“ und die Folkpunkband „The Porters“ aus Düsseldorf auf den Headliner vorbereiteten. „The Porters“ spielten bereits zum vierten Mal am Weserstrand und genossen vor allem die noch überschaubare und familiäre Atmosphäre des Festivals. Sänger Volker Grüner ließ es sich auch nicht nehmen, eine Gesangseinlage beim Shantychor abzugeben. „Das macht er immer, wenn er hier ist“, erzählte Bassist Andreas. So ein Gefallen wird natürlich gerne erwidert und so standen am Abend dann noch einige Mitglieder der „ältesten Boyband Nordenhams“ mit den Porters auf der Bühne.
Jugendherberge nutzbar
15 Bands, rund 2000 Gäste, die Duschanlagen der leerstehenden Jugendherberge konnten kurzfristig doch noch genutzt werden, die Großensieler Fußgängerbrücke wurde noch kurzfristig repariert und bis auf wenige Schauer herrschte bestes Festivalwetter: So war das diesjährige Fonsstock-Festival wieder ein voller Erfolg, sowohl aus Sichte des Publikums als auch aus Sicht des Veranstalters. Beste Voraussetzungen für das Vierteljahrhundert-Fonsstock im kommenden Jahr, wenn es dann mit garantiert einigen Überraschungen heißt: „Heute schon gefonsstockt?“
