NORDENHAM - Eine kleine Guckkastenbühne und Puppen mit markanten Gesichtern – das gab es noch nie bei der Nordenhamer Goethe-Gesellschaft. „Mal ganz was anderes,“ sagt die stellvertretende Vorsitzende Ellen Walther. Das Puppenstück „Dr. Faust“ des Theaters Spunk aus Ottersberg sei zwar ein Experiment, doch es sei ein Experiment, von dem sie sich für alle Zuschauer ein ganz tolles Erlebnis verspreche. Der Vorhang zu „Dr. Faust – das alte Puppenspiel“ öffnet sich am Donnerstag, 2. Oktober, um 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums.
Benjamin und Ulrike Harlan vom Theater Spunk spielen die Legende um den frühneuzeitlichen Gelehrten Faust nach einer alten Vorlage, die ihre Familie in der Detmolder Bibliothek ausgegraben hatte. Historisch sind auch die mehr als 50 Jahre alten Pappmache-Puppen aus Familienbesitz, die die Zuschauer vor allem durch ihre charaktervolle und gekonnt überzeichnete Physiognomie beeindrucken.
Der Harlansche Faust folgt der Version, wie sie Christopher Marlowe, ein Zeitgenosse Shakespeares, nach dem Volksbuch (1587) Anfang des 17. Jahrhunderts dramatisierte und so zum Erfolgsstück für viele Wandertheater machte.
Deutsche Komödianten fügten wohl als witzigen Widerpart zu Faust die Figur des Hanswurst hinzu, die auch im Puppentheater der Familie Harlan im Mittelpunkt steht. Hanswurst überlebt durch seine Bauernschläue den Pakt mit dem Teufel, der Faust im Unterschied zu der späteren Version von Goethe noch das Leben und die Seele kostet. Aus dem Hanswurst entwickelte sich später der Kasper, der aus dem modernen Puppentheater heute nicht mehr wegzudenken ist.
Die Theatergruppe Spunk verweist mit dem Doktor Faust auf die Ursprünge des Puppentheaters als ernst zu nehmende Auseinandersetzung mit archaischen Stoffen, mit Gut und Böse, Himmel und Hölle. Sie bietet zudem die seltene Gelegenheit, den Fauststoff einmal ganz anders zu erleben.
