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Herr Holm In Nordenham Neben der Spur und trotzdem goldrichtig

Jens Milde

Nordenham - Es gibt ihn auch ohne Polizeiuniform. Wer hätte das gedacht – Dirk Bielefeldt alias Herr Holm hat ein Privatleben. Blaue Sportjacke, beigefarbene Hose, kariertes Hemd – so betritt er am Donnerstagabend die Bühne der Nordenhamer Jahnhalle. Herr Holm macht kein Geheimnis daraus, dass er neben der Spur ist. „Was ist echt? Und was ist Fake“, fragt er sich. „Bin ich eigentlich noch richtig?“ Die Antwort gibt das Publikum: Goldrichtig!!! Sein zweistündiges Programm kommt so kurzweilig daher, dass man ungläubig auf die Uhr schaut, als es vorbei ist. Wie? So spät ist es schon?

Digitale Perfektion

Wenn Herr Holm erzählt, unterstreicht er jedes Wort mit einem Federn in den Knien. Das ist auch so, wenn er keine Polizeimütze auf dem Kopf hat. Herr Holm berichtete von den Segnungen der Moderne, vor allem von der Digitalisierung. Seine Alexa heißt Emma. Und die führt manchmal ein etwas merkwürdiges Eigenleben. Sie nennt Herrn Holm mal Schnucki oder Mausi. Herr Holm hat eine Entertainer-App. Die kann lautes Lachen einspielen, wenn man es braucht. Herr Holm warnt vor der Fitness-Uhr: „Passen sie auf, dass die sie nicht bei der Krankenkasse verpfeift.“ Herr Holm freut sich über seine neue, voll digitalisierte Jacke. Sie sagt ihm, wenn es zu regnen beginnt. „Sehr praktisch“, findet Herr Holm. „Da braucht man gar nicht mehr in seiner Wetter-App nachzuschauen.“

Wie bemitleidenswert sind dagegen die Menschen mit ihrer völlig veralteten Software, die vergeblich auf das dringend notwendige Update wartet. Herr Holm hat ein Gerät, mit dem man feststellen kann, ob im Oberstübchen noch alles richtig tickt. Es piept mal schneller und mal mal langsamer, wenn man es an den Kopf hält. Herr Holm hält’s an den eigenen und vernimmt nur ein gequältes Piepen. „Naja, für Nordenham müsste es reichen“, sagt er. Anschließend hält er den Herren in der ersten Reihe das Gerät an die Stirn. Die nehmen’s mit Humor.

Wenn man die augenzwinkernden Bemerkungen des Herrn Holm wörtlich nimmt, sind eigentlich alle neben der Spur. Besonders Männer um die 50, die plötzlich jene Klamottenläden aufsuchen, vor denen das ohrenbetäubende Techno-Gestampfe darin sie eigentlich warnen sollte, die sich in löchrige Röhren-Jeans quetschen, die sich ein Cabrio kaufen und den verbliebenen Haarkranz im Wind wehen lassen oder ihre Weichheit entdecken und plötzlich das Pilgern mit Enddarmatmung trainieren. Bei den Frauen im Klimakterium sieht’s aber auch nicht besser aus. Auf der Suche nach Anerkennung aquarellieren sie – was per se nach wässrigem Delirium klingt – und halten das für Kunst.

Menschliche Macken

Gekonnt nimmt Herr Holm die menschlichen Macken auf die Schippe. Er tut das aber nicht , um sie bloßzustellen. Er feiert die fehlerhafte Software seiner Artgenossen. Sein Humor ist zutiefst menschlich. Und sein Programm so abwechslungsreich, dass es nie langweilig wird. Als Bauchredner unterhält sich Herr Holm mit einer Tüte, die ein trauriges Dasein als Hundekotbeutel fristet. Das Thema ist unappetitlich, der Dialog, der dabei entsteht, einfach nur köstlich. Das Gleiche gilt für den erfolglosen Versuch des Polizeibeamten, sich mit einem Video als Sicherheitsoffizier auf einem Kreuzfahrtschiff zu bewerben.

150 Besucher im ausverkauften Kulturzentrum erleben ein grandioses Pointenfeuerwerk, in dem hin und wieder aber auch Raum für stille Momente ist. Vor allem dann, wenn Herr Holm auf seiner Ukulele oder dem Klavier spielt. Er hat sogar eine Nordenham-Hymne mitgebracht. Die singen zum Schluss alle mit. Und natürlich gibt’s eine Zugabe obendrauf – bevor er Tschüss sagt – der Mann mit den vielen Talenten.

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