NORDENHAM - Wer kennt das nicht: Da bekommt man einen blöden Spruch zu hören und ist völlig perplex, unfähig, eine schlagfertige Antwort zu geben. Erst viel später kommt er einem in den Sinn, der ultimative Konter auf einen Bemerkung wie zum Beispiel „Was macht ihr Friseur eigentlich hauptberuflich?“ In solchen Situationen ist Spontaneität gefragt. Und die lässt sich erlernen. Das behaupten Torsten Voller und Ralf Schmitt. Sie haben ein Buch zu dem Thema geschrieben. Am Dienstagabend sind sie in der Buchhandlung von Bestenbostel zu Gast und ermuntern die knapp 100 Besucher, sich zu trauen, spontan zu sein. Der wichtigste Schritt – so lässt sich die Botschaft zusammenfassen – ist es, Spontaneität überhaupt zuzulassen.
Publikum fordert Zugabe
Wer sich auf eine Lesung gefreut hatte, hätte bitter enttäuscht sein können. Denn mit einer Lesung hat der Abend rein gar nichts zu tun. Aber es ist niemand enttäuscht. Im Gegenteil: Nach ihrem zweistündigen Programm – einer Art interaktiven Improvisationsshow – fordert das Publikum lautstark Zugabe – wie bei einem Rockkonzert.
Ralf Schmitt und Torsten Voller sind Mitglieder des Improvisationstheaters Steife Brise in Hamburg. Sie geben Workshops zum Thema Improvisation. Und sie sind unter die Autoren gegangen, um ihre Einsichten zu dem Thema einem größeren Publikum mitzuteilen.
Noch bevor die beiden loslegen, wird jeder Besucher aufgefordert, einen Satz auf einen Zettel zu schreiben, der im Laufe des Abends unbedingt gesagt werden sollte. Die Protagonisten ziehen die Zettel später wahllos aus einer Schachtel und bauen sie spontan in eine Szene ein. Und die Szene selbst spielt an Nordenhamer Orten, die das Publikum vorgibt: bei Aldi, bei McDonalds, im Bettenhaus Schwarting, am Kartoffelstand auf dem Wochenmarkt und in der Kneipe Eldorado. Einfach köstlich, wie die beiden von einem Ort zum nächsten switchen. Sie haben halt Übung. So wie der „Held der Improvisation“, McGyver aus der gleichnamigen Fernsehserie, der aus Haarspray und Zahnseide im Handumdrehen eine Bombe bastelt.
Mit dem auskommen, was da ist. Darin liege die Kunst der Improvisation. Für Ralf Schmitt und Torsten Voller ist Spontaneität eine Art Lebenshaltung. Sie plädieren für den Mut zum Ja-Sagen. „Wir alle haben es in uns, diese Ja-Gen“, sagt Torsten Voller. „Wir müssen es nur aktivieren.“ Er stellt dem Publikum drei Fragen: „Können Sie malen?“, „Können Sie singen?“, „Können Sie tanzen“. Nur zaghaft gehen einige wenige Hände hoch. Kürzlich habe er die Frage in einem Kindergarten gestellt, sagt Torsten Voller. „Und da sind fast alle Hände hochgegangen.“
Empfehlung Nummer zwei: „Machen Sie Fehler.“ Oft ist es der innerer Zensor, die Angst Fehler, zu machen, der die Spontaneität blockiert. Dabei sind Fehler sympathisch. Die beiden Autoren machen dies am Beispiel eines Filmschnipsels deutlich, in dem sich Nachrichtensprecher verhaspeln. „Es geht immer etwas schief“, sagt Torsten Voller. „Und weil wir das wissen, können wir auch spontan sein.
„Seien Sie im Moment“
Empfehlung Nummer drei: „Seien Sie im Moment.“ Spontan zu sein, bedeute nicht, dass man immer besonders originell und lustig sein muss. Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Ihren Appell zur Spontaneität möchten Ralf Schmitt und Torsten Voller auf die kreativen Lebensbereiche beschränken. Den Mut, spontan zu sein und Fehler zu machen, empfehlen sie Piloten und Zugführern ausdrücklich nicht bei der Ausübung ihres Berufs.
