NORDENHAM - NORDENHAM - Uwe Reimers führt seit April vergangenen Jahres Regie im Nordenhamer Kino. Mit der NWZ sprach er über seine bisherigen Erfahrungen, über Probleme und Zukunftsaussichten.
NWZ : Herr Reimers, Sie sind fast ein Jahr in Nordenham. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Reimers: Ich bin ganz zufrieden. Wir hatten gute Ware. Allerdings ist das Geschäft seit Mitte Dezember wie abgerissen. Das hängt sicher mit dem derzeitigen Filmangebot zusammen, aber vielleicht auch mit Hartz IV. Auf jeden Fall sind die Leute nach wie vor sehr sparsam. Sie gehen bewusster ins Kino als früher, wählen genau aus. Und viele sagen sich: Lass uns warten. In drei, vier Monaten gibt‘s diesen oder jenen Film auf DVD.
NWZ : Welche Probleme gibt es noch?
Reimers: Die kleinen Kinos haben zurzeit vor allem darunter zu leiden, dass die Verleiher die Zahl der Kopien drastisch heruntergeschraubt haben. Warum das so ist, weiß keiner genau. Auf jeden Fall müssen die Betreiber kleiner Kinos hart kämpfen, um Filme im Bundesstart zeigen zu können.
NWZ : Und das gilt auch für Sie?
Reimers: Ja, und es wird nicht leichter. In Bremerhaven wird voraussichtlich im kommenden Jahr ein Großraumkino mit sechs Leinwänden eröffnet. Früher hätte mich das nicht gestört. Aber seitdem es den Wesertunnel gibt . . .
NWZ : Wie wollen Sie dagegen halten?
Reimers: Das geht nur mit dem guten Service, den wir hier haben, und mit dem besonderen Charme eines kleinen Kinos.
NWZ : Trotz aller Probleme verzeichnete die deutsche Kinobranche im vergangenen Jahr steigende Umsätze.
Reimers: Das lag zum Beispiel am Bully-Film „(T)raumschiff Surprise“, der sensationell eingeschlagen ist. Wahnsinnig erfolgreich war auch der Otto-Film, den man vorher gar nicht so hoch eingeschätzt hatte.
NWZ : Welcher Film hat Ihnen im vergangenen Jahr am besten gefallen?
Reimers: „The Day After Tomorrow“ von Roland Emmerich. Der war sehr gut gemacht. Und der Otto-Film. Ich steh‘ einfach auf Comedy. Und Otto finde ich besonders lustig.
NWZ : Nach wie vor bieten Sie eine Filmkunstreihe an. Können Sie sich diesen Luxus, bei dem Sie wahrscheinlich nur draufzahlen, weiterhin leisten?
Reimers: Wir haben Besucherzahlen zwischen 5 und 56. Ein dickes Geschäft kann man damit nicht machen. Aber draufzahlen muss ich nicht, weil die Verleiher keine Garantiesummen bekommen, sondern prozentual beteiligt werden. Außerdem gibt es ein treues Stammpublikum für die Reihe. Das will ich auf keinen Fall verärgern.
NWZ : Zuletzt hatten Sie sich über die mangelnde Nachfrage der Nordenhamer Schulen gewundert. Hat sich daran etwas geändert?
Reimers: Auf jeden Fall. Das Interesse ist größer geworden, nachdem die NWZ über das Problem berichtet hatte. Offensichtlich haben viele Lehrer einfach nicht gewusst, dass ich Sondervorstellungen für Schulen anbiete, obwohl ich viel Werbung dafür gemacht habe.
NWZ : Welche Höhepunkte bringt das Kinojahr 2005?
Reimers: „Star Wars, Episode III“ wird im Mai auf die Leinwand kommen. Das wird ein Highlight. Ebenso Spielbergs „Krieg der Welten“ im Juni und der vierte Teil von Harry Potter im November. „Hitch, Der Date-Doktor“ mit Will Smith läuft nächste Woche. Viele glauben, dass dieser Film bombastisch einschlägt. Aber ich bin vorsichtig mit Prognosen. Das Geschäft ist unberechenbar geworden.
