NORDENHAM - NORDENHAM - War es draußen stürmisch und kalt, so ging es in der Jahnhalle am Sonnabend eher „cool“ zu. Stefan Jaedtkes Projekt „Friends & Strangers“ hatte seine Bühnenpremiere mit Stücken aus der Grauzone zwischen Jazz und Pop, und das renommierte Klaus-Ignatzek-Quintett" präsentierte anspruchsvolle Titel aus eigener Feder.

Jutta Gürtler, bekannt als Sängerin der Nordenhamer Band „Nothingness“, zeigte sich stimmlich und gesangstechnisch gereift bei Titeln wie „Lullaby of Birdland“, Stings „Probably me“ oder „Just the two of us“. Einstudiert hatte das Ganze Stefan Jaedtke, der selbst als Keyborder in Erscheinung trat. Till Münzberger (Schlagzeug) und Jannice Lammers (Bass) sorgten für den richtigen Groove, und Fenja Münzberger rundete die Instrumentalbesetzung der jungen Formation mit dem Saxophon ab.

Natürlich über sehr viel mehr Erfahrung und internationales Renommee verfügt Klaus Ignatzeks Gruppe, die als Hauptact auf die Bühne kam. Am Schlagzeug saß der Niederländer Hans Dekker, seit kurzem Drummer bei der WDR-Bigband und mit internationaler Erfahrung in den besten Jazzformationen. Einfallsreich, effektiv und dabei nie aufdringlich – quasi „besenrein“ – spielte er eine zentrale Rolle für das Gelingen des Programms.

Den Kontrabass bediente Martin Wind, der abwechselnd in Flensburg und in den USA lebt. Neben anderen Größen des Genres hat er den weltbekannten Jazzgitarristen Pat Metheny auf Tourneen begleitet. Nicht nur bei seinen fulminanten Soli zeigte Wind sich in der Jahnhalle in meisterlicher Verfassung.

Am Jazz-Institut in Berlin unterrichtet Peter Weniger. Sein Instrument ist das Tenorsaxophon, das in jeder musikalischen Lebenslage für ihn zu sprechen scheint. Vom gehauchten Ton, bei dem der Atem des Saxophonisten förmlich zu spüren ist, bis zu den höchsten Tonstößen, die das Instrument hergibt, arbeitete er sich gleich beim ersten Stück. Und zwar mit ganzem Köpereinsatz.

Nicht nur für den Gesang war Susanne Menzel, Hochschullehrerin in Oldenburg, zuständig. Die erfahrene Jazzsängerin, die in den USA und in Dresden studierte, hatte zu allen Stücken des Programm die Texte geschrieben. Mit klarer Artikulation, Treffsicherheit und einem untrüglichen Musikgefühl sorgte sie für das Sahnehäubchen bei dem Konzertgenuss. Ihre Scat-Einlagen waren virtuos, ihre Balladen gefühlvoll, ihr Samba brasilianisch wärmend.

Im Zentrum des Quintetts saß dessen Namensgeber, der aus Wilhelmshaven stammende und in Oldenburg lehrende Pianist Klaus Ignatzek. Das Ensemble spielte ausschließlich seine Kompositionen, die in dieser Woche auf seiner 49. CD veröffentlicht werden.

Stücke we „Time will tell", das temperamentvolle „Samba di Amor“, oder „Message for Art“, eine Homage an „den Drummer Art Blakey, einen der größten Jazzmusiker aller Zeiten“ (Ignatzek), gaben hinreichend Gelegenheit, zu zeigen, was jeder Einzelne und was das Ensemble in einträchtiger, musikalischer Kommunikation zustande bringen kann. Das konzentrierte Publikum genoss das selten gewordene Ereignis eines anspruchsvollen Jazz-Konzertabends in vollen Zügen.

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NWZ/NORDENHAM/.1