NORDENHAM - Wenn Thomas Fellow seine Finger über die Gitarrensaiten tanzen lässt und Constanze Friend mit ihrer unfassbaren Stimme die Tonleiter leichtfüßig hinauf- und wieder hinabklettert, entstehen jene packenden sinnlichen Momente, die einen vergessen lassen, dass man mit 170 Menschen in einem Saal sitzt. Da wird die Jahnhalle zu einem wohligen Refugium inmitten eines fiesen stürmischen Herbstabends. Während sich in dieser fernen Welt da draußen prall gefüllte Regenwolken über der dunklen Stadt entleeren und orkanartige Böen das Laub vor sich hertreiben, wärmt sich das Publikum im Kulturzentrum an einem knisternden musikalischen Kaminfeuer.

Zum dritten Mal sind Friend’n’Fellow am Sonnabend in der Jahnhalle. Mit dem Anflug eines schelmischen Grinsens nimmt Thomas Fellow Platz auf seinem Stuhl. Ein letztes Mal stimmt er die Saiten seiner Gitarre. Dann legt er los. Das anfängliche Getuschel im Saal weicht einer geradezu andächtigen Stille. Constanze Friend gesellt sich dazu. Schmiegt sich mit ihrer Stimme in das polyphone Wunderwerk an Rhythmen und Melodien, das ihr Bühnenpartner aus seiner Gitarre hervorzaubert.

Nina Simones „My Baby Just Cares For Me“ erklingt. Funktioniert dieser wunderschöne Oldie mit seinem fröhlich-frechen Grundrhythmus auch auf der Gitarre? Aber klar. Raffiniert lässt der Saiten-Magier den Song als blitzeblank polierte Perle wieder auferstehen. Dazu die dunkel-samtige Stimme von Constanze Friend – eine audiophile Wohlfühlmassage für das staunende Publikum.

Technische Brillianz

Und so treiben sich die beiden Ausnahmekünstker fast zwei Stunden zu immer neuen Höchstleistungen an. Sie duellieren sich mit technischer Brillanz, ohne mit ihr zu protzen. Friend’n’Fellow stellen ihre Virtuosität in den Dienst der Sache. Sie wecken Emotionen, ziehen ihr Publikum in eine Traumwelt, gerade wenn sie die leiseren Töne anschlagen. Viele Besucher genießen dieses Erlebnis mit geschlossenen Augen. Pop, Jazz, Blues, Rock und Soul verschmelzen bei Friend’n’Fellow zu einem einzigartigen Musikstil, der durchschnittliche Hitkonsumenten und Musikfreunde, die sich für Experten halten, in ihrer Begeisterung vereint.

Gänsehautgefühle

Bis zum Schluss halten die beiden sympatischen Ausnahmekönner mit ihre Mixtur aus selbstkomponierten und gecoverten Stücken die Spannung aufrecht. Immer wieder verblüfft Thomas Fellow, weil er mit seinem Gitarrenspiel eine ganze Band ersetzt. Und immer wieder versetzt Constanze Friend die Zuhörer in Staunen, weil sie auch schwierigste Passagen mit unglaublicher Leichtigkeit meistert und es immer wieder schafft, dass einem die Gänsehaut über den Rücken kriecht.

Nach einem Zugabeblock wird das Publikum schließlich wieder in die nasskalte Nacht entlassen. Aber die Erinnerung an diesen wunderschönen Abend bleibt sicher noch lange erhalten.