NORDENHAM - Bei Podiumsdiskussionen kurz vor den Wahlen sind es in der Regel die Wähler, die ihre Forderungen an die Politiker vorbringen. Am Mittwochmorgen war es ausnahmsweise auch mal umgekehrt. Politiker aus allen Parteien und Gruppen, die im neuen Stadtrat mitmischen wollen, ermunterten die Jugendlichen, sich für ihre Interessen einzusetzen. Die Besucher waren Schüler aus den zehnten und elften Klassen in Nordenham.
Das Jugendparlament hatte zu der Veranstaltung in die Jahnhalle eingeladen. Mehr als 200 Erstwähler waren gekommen. Viele von ihnen hörten aufmerksam zu und fühlten den Politikern mit ihren Fragen auf den Zahn. Einige zogen es vor, sich mit Musik aus MP3-Playern die Zeit zu vertreiben oder sich im Gespräch mit ihren Nachbarn anderen Themen zu widmen.
Kira Lipsky und Max Mahn vom Jugendparlament setzten sich mutig an den Podiumstisch und leiteten die Diskussionsrunde. Zunächst gaben sie Silvia Kerney (WIN), Horst Wreden (CDU), Andrea Suhr (Grüne), Ernst-Otto Kruse (FDP), Manfred Brunßen (SPD) und Dietmar Lange (Die Linke) die Möglichkeit, sich vorzustellen. Anschließend legten die Schüler mit ihren Fragen los. Warum gibt es keine Lernmittelfreiheit? Warum müssen einige Schüler nach Schulschluss so lange auf den Bus warten? Warum legt die Stadt auf dem Peterlee-Platz ein Wasserspielfeld an, wo sie doch so viele Schulden hat? Und wie soll die Stadt überhaupt von ihren Schulden runterkommen?
Nicht finanzierbar
Die Politiker waren sich weitgehend einig darin, dass eine Lernmittelfreiheit wünschenswert, aber nicht finanzierbar ist. Eventuell seien Zuschüsse möglich. Auch beim Thema Schülerbeförderung waren sich die Politiker einig, dass in Zusammenarbeit mit dem Landkreis, der dafür zuständig ist, nach Verbesserungen gesucht werden müsse. Andrea Suhr sagte in diesem Zusammenhang, dass sich die Grünen für eine Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Nordenham und Blexen einsetzen.
Auch beim Thema Schuldenabbau und Haushaltskonsolidierung gab es kaum Unterschiede in den Standpunkten. An erste Stelle steht für die Politik quer durch alle Parteien, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich mehr Betriebe ansiedeln. Mit höheren Gewerbesteuereinnahmen könne die Stadt nach und nach auch ihren Schuldenberg abtragen. „In fünf bis sechs Jahren haben wir von diesen Schulden eine ganze Menge abgebaut“, sagte Manfred Brunßen. Von Silvia Kerney kam der Vorschlag, für Nordenham die Kreisumlage herabzusetzen. Horst Wreden plädierte dafür, Großprojekte zunächst einmal zu verschieben. Dietmar Lange argumentierte eher allgemein. Es gebe ein Verteilungsproblem in Deutschland. Und: Die Kommunen müssten in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben zu erfüllen.
Kunstrasen sanieren
Auch das Thema Kunstrasen kam auf die Tagesordnung. Ein junger Mann monierte, dass der Kunstrasenplatz in Nordenham verletzungsgefährdend und deshalb dringend sanierungsbedürftig ist. Er bekam Recht und die Auskunft, dass für dieses Vorhaben in 2012 Geld bereit gestellt worden ist.
Zum Schluss der Diskussionsrunde wandte sich Dietmar Lange an die Jugendlichen. „Ich habe euch bei vielen Gelegenheiten vermisst“, sagte er und nannte als Beispiel die Mahnwachen auf dem Marktplatz nach der atomaren Katastrophe in Fukushima.
