NORDENHAM - Das Licht erlischt. Im spärlichen Schein der Notbeleuchtung betreten drei Recken die Bühne. Ihnen folgt der Frontmann, ganz in Schwarz gekleidet. In der Jahnhalle bleibt es zunächst düster.

Bereits die ersten Klänge elektrisieren. Denn der unverwechselbare U2-Sound geistert plötzlich durch die Jahnhalle. Doch auf der Bühne hat nicht etwa Bono, Vokalist der irischen Kultband U2, das Mikrofon umfasst. Stattdessen ist die Stimme seines fast perfekten Doubles Marc Schülert gänsehauterregend. Bei „Beautiful Day“, „Vertigo“, „Fire“ und schließlich „I Still Haven’t Found What I’m Looking For“ begreifen es die Fans: Sie sind Zeugen einer Reinkarnation. Bei ihrem ersten Auftritt in Nordenham verschafft sich die U2-Coverband „Achtung Baby“ explosionsartig Gehör und sorgt in der Folge für magische Momente.

Der Sänger Marc Schülert ist bei seinem Auftritt ganz nah dran am Original. Das sehen und hören die rund 370 Besucher in der fast ausverkauften Jahnhalle am Sonnabend. Die Lieder reißen mit. Dem 37-Jährigen fehlt jedoch noch etwas das Gespür für die Jahnhallen-Fans. „Es steht 0:1 gegen uns“, denkt er nach dem ersten Set beim Gang in die Garderobe. Er irrt.

Einige Fans des 2002 gegründeten Quartetts aus Lüneburg sind von weither angereist. So wie Imke Loeper und Stephany Müller aus Celle. Die beiden 19-Jährigen haben seit eineinhalb Jahren kein einziges Konzert von „Achtung Baby“ verpasst. „Das ist hier eine wahnsinnig tolle Atmosphäre“, schwärmen sie. Auf ihren weißen T- Shirts haben sie die bisherigen 23 Stationen ihrer Kultrocker aufgelistet. Apropos T-Shirt: Der auffällige Schriftzug „Death“ schmückt die Brüste eines weiteren weiblichen Fans. Bei näherer Betrachtung ist der ganze Text zu entziffern. Wer den Tod nicht achtet, weiß das Leben nicht zu schätzen, heißt es sinngemäß auf Englisch.

Morbid geht es weiter. Das Cover des U2-Albums „War“ wird auf die Leinwand projiziert, später folgt „The Unforgettable Fire“. Dann erscheinen Bilder, die das vernichtete Hiroshima nach dem Abwurf der ersten Atombombe zeigen. „Sunday Bloody Sunday“, singen „Achtung Baby“ und die Spektanten nun gemeinsam. Die Halle vibriert. Diesem Zauber können sich auch die wenigen Skeptiker in der Halle nicht entziehen. Hände werden in die Luft gereckt und finden im Takt zueinander.

„Achtung Baby“ macht mächtig Druck. In seiner Schießbude wirbelt Hans Seelenmeyer mit den Sticks. Bassist Andreas Hellwig und Carsten Stiehr (E-Gitarre) verlangen ihren Instrumenten alles ab. Und Marc Schülert, total in Fahrt gekommen, mischt sich unter die Fans und holt dann eine Tanzpartnerin auf die Bühne. Der Schweiß fließt, die Stimmung strebt dem Höhepunkt zu. Nach der Eigenkomposition „Blue“ erklingt der Klassiker „With Or Without You“. Haltlos ist die Menge, giert nach weiteren Titeln, doch Marc Schüler lässt sich zu ihnen hinunter fallen, wird von den Fans auf Händen getragen. Noch ein letzter Song, dann ist abrupt Schluss – nach mehr als drei Stunden U2-Feeling.

Marc Schülert sind die Strapazen anzusehen. Er hat sich wie seine Bandkollegen voll verausgabt. Er habe 1987 das U2-Album „The Joshua Tree“ gehört und sei seitdem von dieser Musik infiziert, sagt er. Das ist nachzuempfinden.

Konzertbilder gibt es unter www.nwzonline.de