Nordenham - Einen äußerst vielseitigen, ungewöhnlichen und qualitativ sehr hochwertigen Querschnitt durch die deutsche Musikgeschichte konnten rund 50 Besucher der Jahnhalle miterleben. Die Gruppe Grenzgänger aus Bremen präsentierte ihrem Publikum eine wahrlich beeindruckende Mischung aus Chansons, Volksliedern, Jazz, Blues, Swing und Musikkabarett.

Das Quartett mit Cello (Annette Rettich), Akkordeon (Felix Kroll) und zwei Gitarren (Michael Zachcial und Frederic Drobnjak), das bislang acht CD’s herausgebracht hat, wurde zu Recht mehrfach prämiert und erhält auch von der Presse immer wieder positives Feedback. Von „verstörend schönen Melodien“ (Kreiszeitung Syke) bis „Kleinkunst ganz groß“ (Rheinpfalz) lauten die Bewertungen.

Die Formation hat sich auf Lieder aus der demokratischen und humanistischen deutschen Tradition spezialisiert. Es sind oft vergessene Geschichten aus alten Archiven, die von Liebe und Kämpfen erzählen, die die Gegenwart bis heute mitprägen.

Die Musik zu den überwiegend kritischen und zum Nachdenken anregenden Inhalten ist dabei alles andere als romantisch verklärend, sondern balanciert äußerst gekonnt und sehr emotional zwischen Tradition und Avantgarde. So auch jetzt in der Jahnhalle, als um kurz vor halb neun auf Rio Reisers eher moderneren Song „Schritt für Schritt ins Paradies“ das Gefangengenlied „In Kerkermauern sitzen wir“ aus dem Jahr 1937 im damals verbotenen Swingstil und bald mehrere Vertonungen des Poeten und Rebellen Georg Herwegh (1817-1875) folgten. Der sozialistische Revolutionär zählte neben Heinrich Heine und Ferdinand Freiligrath früher zu den populärsten deutschsprachigen politischen Lyrikern und fühlte sich eng mit dem deutschen Proletariat verbunden. Er ist gleichzeitig das Thema der neuesten CD der Grenzgänger („Georg Hergwegh: Lieder eines Lebendigen“).

Bandleader Michael Zachcial, der nicht nur Gitarre spielt, sondern auch singt, versteht es, seinen Zuhörern über entsprechende Ankündigungen die jeweiligen Hintergründe der einzelnen musikalischen Beiträge mit wenigen Worten nahe zu bringen.

Den vier hervorragenden Musikern gelingt es ebenso mit Leichtigkeit, die verschiedenen Stimmungen der Lieder auf ihren Instrumenten umzusetzen und dabei eine klangliche Ausgewogenheit zu schaffen, bei der jedes der vier Musikinstrumente deutlich herauszuhören ist.

Zugleich gibt es bei den kunstvollen Arrangements immer wieder Passagen, in denen jeder der Musiker sein Können zeigen kann. Mal sind es eher fröhliche, dann wieder melancholische Stücke, dementsprechend wird es auf der Bühne lauter und leise.

Michael Zachcial schafft es dennoch, mit seiner leicht rauen und dennoch klaren Stimme so zu singen, dass wirklich jede einzelne Silbe des Textes deutlich zu verstehen ist. Kurzum: Es war ein Abend in der Jahnhalle, der nicht nur gute und anspruchsvolle Musik bot, sondern auch mit nachdenklichen Texten glänzte, die ihre Aktualität bis heute nicht verloren haben.