NORDENHAM - Nicht jedem Komponisten wird ein Interpret mit einer rein konzertanten Darbietung seines Werkes gerecht. Besonders dann, wenn die Aufführung dieses Werkes nicht nur durch die Aufzeichnung von Noten, sondern auch durch originelle Aufführungshinweise im Notenbild angereichert wurden.
Flügel und Power-Point
Dies erkannte Johannes Cernota, anerkannter Komponist, Konzertpianist, Bildhauer und Maler aus Norddeutschland, und erschloss diese besondere Dimension auch dem in der Aula des Gymnasiums nicht großen Publikum durch eine zeitlich auf die Werke angepasste Power-Point-Präsentation dieser Anweisungen. Am Ende freuten sich alle Zuhörer, dass sie sich auf ein inspirierendes Terrain außerhalb des klassischen Mainstreams gewagt hatten.
Komponist dieser ungewöhnlichen Werke war der kauzige Franzose Erik Satie (1866 bis 1925), der Anfang des 20. Jahrhunderts in Paris lebend, mit seinen launischen und skurrilen Ideen ganze Generationen der französischen Avantgarde beeinflusst hatte. Seine wohl auch hier bekanntesten Werke, die 1. Gymnepedie und die Gnossienne Nr. 5, setzte Cernota an den Anfang des sehr inspirierenden und abwechslungsreichen Konzertes.
Beide Werke beziehen sich auf antike Tänze, die durch ihre fast statische Schlichtheit bestachen. Bereits in der Gnossienne wurde die Notation im Sinne einer weiteren Assoziationsgrundlage ohne Taktangaben und Spielanweisungen an den Pianisten, wie „Lass die Sonne scheinen“ oder sogar „Verlasse jetzt nicht deinen Platz“ erweitert. Humor und Assoziationsanregungen bestimmten auch das nächste Werk Son binocle (Sein Monokel). Hierin beschäftigte sich Satie erstmalig mit dem Thema des Zusammenwirkens von Musik und dem sich in der damaligen Zeit neu entwickelnden Film. Indem er hierin dem Pianisten den witzigen Texten entsprechende tonmalerische Aufgaben auf dem Klavier zuwies, die auf der Leinwand verfolgt werden konnten, erweiterte sich dieser erste filmmusikalische Versuch Saties zu einer wahren humorvollen Freude.
Typisch für Saties Werke sind die skurrilen Titel, die seinen Werken zu geben pflegte. So benannte er die folgenden Klavierwerke, die an diesem Abend präsentiert wurden mit Titeln, wie: Vorletzte Gedanken, Vertrocknete Embryonen und auch Bürokratische Sonatine. Immer wieder entstehen, vor allem durch die eigenwilligen Texte, in der Vorstellung der Zuhörer ungewöhnliche Bilder und Gedankengänge.
Der Höhepunkt der ersten Satie gewidmeten Konzerthälfte war schließlich die Aufführung des gesamten Werkes Sports et Divertissements. Ein abwechslungsreiches Bilderwerk, das durch die Grafiken des damals sehr berühmten Künstlers Charles Martin inspiriert wurde.
Nach der Pause stand musikalisch diametral zu Saties einfachen klaren Kompositionen entgegengesetzt, das virtuose Klavierwerk des Pianisten Frederic Chopin (1810 bis 1849) auf dem Programm.
Mit der Aufführung der Walzer 0p. 64, Nr. 1 Des-Dur, Nr. 2, cis-Moll und Opus 70, Ges-Dur, sowie die speziell für die linke Hand komponierten Etüden op. 10, Nr. 9, f-Moll und Nr 12, c-Moll, und des berühmten Scherzo Nr. 2, op. 31, b-Moll, bewies Johannes Cernota seine ausdrucksstarke, technisch versierte pianistische Fähigkeit.
Musik zum eigenen Bild
Doch damit nicht genug. Zum Abschluss dieses wunderbar inspirierenden Konzertes präsentierte der vielseitig begabte Künstler schließlich sieben seiner auf der Insel Elba angefertigten Gemälde auf der Projektionsleinwand und improvisierte zu jedem Bild mit Hilfe von zurecht gelegten Bausteinen auf sehr unterschiedliche Art auf dem Flügel.
