NORDENHAM - Am Freitagabend gab die Sängerin Christin Claas ihr Debüt in der Jahnhalle. Die knapp 60 Zuhörer, die es zu der noch relativ unbekannten Künstlerin verschlagen hatte, wurden nicht enttäuscht und durften Augen- und Ohrenzeugen eines Konzerts werden, das wohl sicher einen der Höhepunkte des Veranstaltungsjahres darstellte.
Ein musikalischer Kurzurlaub für die Seele, Entspannung irgendwo zwischen Folk und Pop: So ist der Musikstil von Christin Claas am besten zu beschreiben. Anders als viele andere Genrevertreterinnen verzichtete Claas fast vollständig auf komplizierte Improvisationen oder rhythmischen Scat-Gesang, sondern führte mit glasklarer Stimme durch die angenehm aufgeräumten Arrangements. Auf der anderen Seite sorgten ihre beiden Mitmusiker Christoph Reuter (Piano) und Stephan Bormanns (Akustik-Gitarre) dafür, dass auch immer mal wieder eine gehörige Prise Jazz in die Songs einfloss. Viele Stücke nahmen so eine unerwartete Wendung. Besonders in den flotteren und rhythmischeren Abschnitten wurde die musikalische Klasse der beiden Künstler mehr als deutlich. Auch waghalsige Solopassagen oder Läufe absolvierten sie mit einer fast unheimlichen Leichtigkeit. Der Stil von Gitarrist Bormann, bei dem er sein Instrument vor allem auch als Rhythmus-Instrument einsetzt, erinnerte angenehm an den
einflussreichen Professor Thomas Fellow (unter anderem Friend & Fellow), bei dem Bormann auch studiert hat.
Die meisten Songs, die das Trio im Gepäck hatte, stammten von Claas’ aktuellem Studioalbum „In the Shadow of your Words“. Ein besonderes Kleinod im Programm stellte eine augenzwinkernde Neuvertonung von „Röslein auf der Heiden“ dar.
Weitere Höhepunkte des Abends waren sicher die launigen Ansagen von Pianist Reuter, der mit seiner gestochenen Wortwahl für Erheiterung sorgte und die Gäste in das Konzert einband. Der Versuch, das Publikum zur Unterstützung eines Songs in einen Herren- und einen Damenchor einzuteilen, gelang nach einem kleinen Seitenhieb von Claas an die Herren ebenfalls ganz hervorragend.
Insgesamt erlebten die Zuhörer ein gut zweistündiges Konzert, dass sowohl unterhaltsam als auch einfach schön anzuhören war. Von dem Trio, das mittlerweile bei einem Musikverlag unter Vertrag ist, wird man sicher noch einiges hören.
