Nordenham - Umrahmt von Kerzen, Geschenken und Schlittschuhen steht „Blessed Christmas“ (Gesegnete Weihnacht) in Buchstaben am Bühnenrand, im Hintergrund ist ein großes Bild von Maria, Josef und dem Christuskind auf die Bühne projiziert – und mittendrin Patricia Kelly mit ihrer Band. Am Mittwochabend gastiert die Musikerin in der ausverkauften Friedeburg – und verzaubert das Publikum vom ersten bis zum letzten Ton.
Schon bevor das erste Lied erklingt, begrüßen die Gäste Patricia Kelly mit tosendem Applaus, der sich von Lied zu Lied steigern wird. „Wir freuen uns, wieder bei euch zu sein“, sagt die Musikerin. In Nordenham ist das Mitglied der Kelly Family ein gerngesehener Gast, in den Jahren zuvor spielte sie in der St.-Willehad-Kirche, jetzt erstmals in der Friedeburg. „Damit ihr auch alle rein passt.“
In ihrem Programm „Blessed Christmas“ nimmt Patricia Kelly die Zuschauer mit auf eine musikalische Weihnachtsreise rund um die Welt und nimmt damit auch ihre eigene Vita auf. Als Mitglied der Kelly Family war sie schon in frühen Jahren weltweit unterwegs.
Für die Weihnachtskonzerte bricht Patricia Kelly mit einem ihrer Grundsätze: „Eigentlich singe ich nicht gerne auf Deutsch“, gesteht sie dem Publikum. Ausnahme seien deutsche Weihnachtslieder. „Die sind einfach toll. Ich mag das Getragene. Ihr habt so schöne alte Weihnachtslieder.“ Und so singt sie auch in der Friedeburg unter anderem „Kommet, ihr Hirten“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“.
Die erste besondere Überraschung haben Band und Sängerin bei einem Medley amerikanischer Weihnachtslieder parat. Bei „Have yourself a merry little christmas“ übernimmt Gitarrist Ian Alexander Griffith Teile des Gesangs und legt mit seiner tieferen Stimme einen nahezu verzaubernden Gegenpart zur Stimmgewalt von Patricia Kelly.
Apropos verzaubernd: Eigentlich ist die Friedeburg an diesem Abend viel zu hell erleuchtet. Patricia Kelly und ihre Musiker Daniel Brandl (Cello), Sebastian Scobel (Piano), Lukas Melle (Schlagzeug) und Ian Griffith (Gitarre und Gesang) liefern ein stimmlich und musikalisch derart überzeugendes Programm ab, dass man eigentlich alle Ablenkungen aus dem Abend verbannen möchte. So sitzt so mancher Zuschauer gerade bei den tragenden Stücken oder Power-Balladen wie „Heart of God“ mit geschlossenen Augen da und lässt Stimme und Melodie so zumindest die Welt vor dem inneren Auge komplett ausfüllen.
Es ist nicht verwunderlich, dass sich der Applaus von Lied zu Lied steigert, dass es nicht schon während der ersten Stücke stehende Ovationen gibt, überrascht nahezu. Bei den spanischen Weihnachtsliedern, die mit ihrer Fröhlichkeit – und teilweise mit ihrem Inhalt – das komplette Gegenteil der deutschen Tradition sind, hält es die meisten Gäste dann tatsächlich nicht mehr auf den Plätzen. Ausgehend vom Förderverein und den Mitarbeiterinnen des St.-Willehad-Kindergartens in der ersten Reihe, an den ein Teil der Erlöse des Konzertabends gehen, stehen immer mehr Gäste auf – und tanzen zwischen den Stuhlreihen so gut es eben geht.
