NORDENHAM - Am Nordenhamer Gymnasium ist sonntags eigentlich Ruhetag. Es sei denn die Goethe-Gesellschaft lädt zum Konzert ein. Und so ging es am vergangenen Sonntagmorgen zumindest in der Schulaula alles andere als ruhig zu. Denn hier brannte ein junger Künstler ein musikalisches Feuerwerk auf höchstem Niveau ab.
Der aus Hamburg stammende Pianist Alexander Kriechl bot seinem Publikum ein Klavierkonzert, das den Zuhörern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Vor anderthalb Jahren hatte der Pianist schon einmal in Nordenham gespielt und die Messlatte ziemlich hoch gelegt. Die Erwartungen der Besucher waren entsprechend hoch. Aber Alexander Kriechl enttäuschte sie nicht.
Zärtlicher Beginn
Mit dem ruhig, verhaltenen, fast zärtlich klingenden Anfangsthema des ersten Satzes der Sonate für Klavier f- Moll, op.57, auch bekannt unter dem Titel Appassionata, begann das gut zweistündige Konzert. Wer diese kraftvolle, emotional mit viel Leidenschaft bestückte Komposition von Ludwig van Beethoven (1770 - 1827) kennt, der weiß auch, dass dieses Werk höchste Ansprüche an die technischen und vor allem an die interpretatorischen Fähigkeiten des Klavierspielers stellt.
Mit auffallender Gestik und Mimik, die ein intensives Einfühlen des Musikers in das gerade Gespielte widerspiegelten, vollzog Alexander Kriechl ein mitreißendes Spiel mit unglaublicher Fingerfertigkeit.
Der zweite eher ruhig komponierte Satz, das Andante con moto, fiel leider gegenüber dem ersten fulminanten Allegro assai durch weniger Tiefe in der Interpretation ab. Ein kleiner Makel in einem ansonsten durch und durch grandiosen Konzert.
Anschließend ertönten die modernen Klänge, mal eher impressionistisch filigran, meist aber kraftvoll rhythmisch hämmernd und von Taktwechseln durchsetzt in der Sonate für Klavier Nr. 1, op. 22 von Alberto Ginastera (1916 - 1983). Eine großartige Komposition, die es verdient hätte, häufiger bei Konzertprogrammen gespielt zu werden.
Nach den hohen spielerischen und auch Kräfte zehrenden Leistungen diente eine kurze Pause dazu, sich auf das dritte ebenfalls sehr intensive Werk dieser sonntäglichen Matinee vorzubereiten. Es stammte aus dem Werkekanon des im 19. Jahrhundert sehr bekannten Klaviervirtuosen Franz Liszt (1811- 1886). Seine im romantischen Habitus komponierten Werke sind für die pianistische Virtuosität und Ausstrahlung bekannt.
Begeisternde Version
Auch hier zeigte der 21- jährige Pianist keine Ehrfurcht und zauberte mit frischem Elan und Spielfreude eine begeisternde Version der sechssätzigen Venezia e Napoli S 162 hervor.
Nach dem verdienten, lang anhaltenden Applaus rundete schließlich Alexander Kriechl das für alle Beteiligten sehr intensive Konzert mit dem Sonetto 123 del Pertrarca, ebenfalls von Franz Liszt geschrieben, wirkungsvoll ab.
