Nordenham - „Absolut professionell“, „Einfach genial“ und „Da stimmt einfach alles“ - so lauteten am Mittwochabend die Urteile der Besucher in der Jahnhalle über den Auftritt des britischen Duos Show of Hands. Kein Wunder, Steve Knightley und Phil Beer zählen in Großbritannien zu den angesagtesten Folkmusikern. Und auch in anderen Ländern Europas – zum Beispiel in den Niederlanden – genießen sie eine ungeheure Popularität. Bereits 1996 war die Royal Albert Hall in London bei ihrem Konzert sogar bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Umso schöner, dass die begnadeten Musiker jetzt tatsächlich in Nordenham im Rahmen eines kurzfristig angesagten Sondergastspiels zu hören waren. Rund 80 Folkfreunde – darunter zahlreiche Musiker – ließen sich diesen perfekten und nachhaltig wirkenden Musikabend nicht entgehen. „Wenn wir den Auftritt früher als erst vergangene Woche hätten ankündigen können, wären bestimmt noch viel mehr Leute gekommen“, sagte Jahnhallenchef Stefan Jaedtke. Auch er zeigte sich von dem musikalischen Können des britischen Folk-Duos beeindruckt.

Die zwei Musiker mit den ausdrucksstarken und vielseitigen Stimmen harmonieren nicht nur im Gesang, sondern auch instrumental perfekt. Sie wirken quasi wie eine Einheit, werfen sich ihre musikalischen Einsätze mit einer unausgesprochenen und extrem vertrauten Selbstverständlichkeit zu.

Steve Knightley, der auch die lyrischen Liedtexte verfasst, spielt Gitarre und Mandoline, zeitweise zugleich Mundharmonika. Phil Beer scheint so ziemlich alle Saiteninstrumente zu beherrschen. Wenn er auf seiner Folkgeige fiedelt, singt er mitunter gleichzeitig mit. Gut anderthalb Stunden lang präsentierte Show of Hands seinem konzentriert zuhörenden und immer wieder applaudierenden Publikum eigene Songs, zum Teil mit politischen Inhalten, sowie kunstvoll arrangierte Adaptionen.

Das Repertoire der zwei Künstler reicht von traditioneller englischer und keltischer Musik bis zu gecoverten Popsongs wie beispielsweise „First We Take Manhattan“ im neuen Gewand. Dann sind da wieder Stilelemente von Bob Dylan und Bruce Springsteen auszumachen, weshalb der locker und in gut verständlichem Englisch moderierende Steve Knightley von einem „Bob-Springsteen-Mix“ spricht.

In anderen Stücken dominieren dagegen Einflüsse aus dem indischen Raum, weil Steve Knightley und Phil Beer es einfach auch verstehen, persönliche Erlebnisse und (Reise)- Erfahrungen in ihren perfekt abgemischten Folk einzubinden.

Obwohl die Auftritte der zwei Briten von der englischen Westküste in Deutschland rar sind, war der Konzertabend des Duos für einige Besucher keine neue Erfahrung. Bernd Bultmann, Bandmitglied der Ruhwarder Saitenhiebe, hat Show of Hands schon zehn Mal live gehört. „Für uns sind sie einfach ein musikalisches Vorbild. Und wir haben auch schon vieles von ihnen gecovert“, sagte er.

Nach der krankheitsbedingten langen Pause zweier Musiker ist die Folkband aus Butjadingen und Nordenham übrigens Anfang des Jahres selbst wieder in der Jahnhalle zu hören. „Es wird anders werden als früher. Aber bestimmt gut“, kündigte Kathrin Torkel an. Geplant sind zwei Konzerte des Quintetts am 18. und am 19. Januar.