NORDENHAM - Thilo Andersson ist hierzulande kein Unbekannter. Seine Jugend hat er in Butjadingen verbracht. Er besuchte die Zinzendorfschule in Tossens. Zurzeit ist er als Tenor und Bariton im Nordost-Oberfränkischen Städtebundtheater in Hof tätig. Am Donnerstagabend kam er zu einem musikalischen Abstecher zurück in seine alte Heimat. Auf Einladung der Goethe-Gesellschaft gab er zusammen mit dem Pianisten Roland Vieweg ein Konzert in der Aula des Nordenhamer Gymnasiums.
„Von Schubert bis Wagner“ war der Titel des weitgehend im romantischen Geist gehaltene Programm. Es begann schwermütig mit einer Interpretation des von Mathilde Wesendonck (1828-1902) verfassten und von Richard Wagner (1813-1883) in dunklen Mollakkorden vertonten Gedichtes „Im Treibhaus“. Ein mutiger, aus romantischer Sicht aber durchaus nachvollziehbarer Konzerteinstieg in eine Zeit der stets sich wandelnden und kontrastreichen Gefühlswelten.
Höhen und Tiefen
Es folgte eine Darbietung des in der Fachwelt als Höhepunkt des romantischen Kunstliedes gehandelten Liederzyklus Dichterliebe, op. 48, welcher 1840 von dem Bonner Komponisten Robert Schumann (1810-1856) komponiert wurde. Dieser berühmte Zyklus, aus 16 Liedern bestehend, greift auf Gedichte von Heinrich Heine zurück, die dieser 1827 in seinem Buch der Lieder veröffentlicht hatte. Gerade in diesen Gedichten werden die unterschiedlichsten emotionalen Höhen und Tiefen, die der romantische Mensch in seiner Zeit erlebte, intensiv nachempfunden. Deshalb galt es hier für die beiden Interpreten, gerade diesen Überschwang der Gefühle zum Beispiel in dem Lied „Im wunderschönen Monat Mai“, die unendliche Sehnsucht nach der Liebsten in „Aus meinen Tränen sprießen“ und die endlose Trauer über die verlorene Liebe in der Vertonung des Gedichtes „Ich grolle nicht“ authentisch nachzuzeichnen. Gerade im letzten Lied entstand ein musikalischer Höhepunkt, in dem Thilo Andersson mit klangvoller Stimme überzeugte.
Der klangmalerisch komponierte Klavierpart dagegen wirkte häufig zu blass, um den überschwänglichen Texten die gewünschte Tiefe zu geben. So entstand viel zu selten ein sich gegenseitig musikalisch tragendes und weiterführendes Zusammenspiel.
Nach einer Pause begann das sympathische Duo mit zwei sehr gegensätzlichen Liedern aus dem Werkekanon von Franz Schubert (1797- 1828). Galt es im Lied „Der Atlas“ das Leid des Atlas, der die Schmerzen der ganzen Welt tragen muss, heraus zu singen, so verlangte die Vertonung von Wilhelm Müllers (1794-1827) Gedicht „Im Wirtshaus“ eine fast statische Wiedergabe der Vorgabe. Beide Interpretationen gelangen auf überzeugende Weise und wirkten besonders durch den gegenüber gestellten Kontrast.
Kurzer Ausflug
Nach einem kurzen Ausflug in die heitere klassische, ja musikalisch unproblematisch wirkende Gefühlswelt, die Wolfgang Amadeus Mozart (1756- 1791) mit der Vertonung des Gedichtes „An Cloe“ von Gustav Nottebohm erreichte, folgte als letztes Werk der berühmte Liederzyklus „An die ferne Geliebte“, op. 98 nach Gedichten von Aloys Isidor Jetteles, welcher von dem gleichfalls aus Bonn stammenden Ludwig van Beethoven (1770-1827 ) vertont wurde. Nach rund eineinhalb Stunden Programm gab es viel Applaus und ein kleines Präsent der Goethe-Gesellschaft für die Künstler. Anderssons ehemalige Lehrerin Ellen Walther überreichte die Geschenke.
