NORDENHAM - Fünf prallvolle Ordner mit Erinnerungen, dazu sämtliche 112 Programmhefte, fast dreimal so viele Rezensionen und Hunderte von Fotos: Stefan Tönjes hatte alle Dokumente aus 17 Jahren Vorstandsarbeit in der Goethe-Gesellschaft Nordenham mitgebracht und ausgelegt. Dabei waren es nur die Dokumente der Sparte Musik. Die Unterlagen zur Sparte Wort hätten weitere Tische gefüllt. „Ein beeindruckendes Fazit ehrenamtlichen Engagements für das Kulturleben in unserer Stadt“, sagte Vorsitzender Burkhard Leimbach in der Jahreshauptversammlung am Sonntag im Nordenham-Museum.
Kein Groll im Spiel
Burkhard Leimbach und sein Stellvertreter Stefan Tönjes dankten Dr. Udo Börger, Ellen Walther, Heiko Thaden und Christian Schöckel für ihr Mitwirken. Die vier langjährigen Mitstreiter „für ein besseres Nordenham“ hatten nach 17 Jahren den Rückzug aus der Vorstandsarbeit angekündigt. Jeder aus unterschiedlichen persönlichen Gründen, doch keiner im Groll. „Wir waren ein gleichberechtigter Vorstand, arbeiteten immer kooperativ und verteilten die Arbeit gleichmäßig auf alle Schultern. Ich kenne keinen Verein, wo so etwas ohne Querelen über so lange Zeit funktioniert hat,“ blickte Burkhard Leimbach zurück.
Die Bilanz aus 17 Jahren Vorstandsarbeit sei atemberaubend. Man könne auf Dutzende herausragender Veranstaltungen zurückblicken. So habe die Ortsvereinigung bislang alle Goethe-Präsidenten aus Weimar zu Gast gehabt, die 100-Jahr-Feiern der Stadt Nordenhams und des Gymnasiums mit begleitet, vor vielen anderen den richtigen Riecher gehabt bei der Interpretation der Himmelscheibe von Nebra, der Diskussion um Denglisch oder Deutsch, der Namensforschung oder der Suche um den wahren Ort der Varusschlacht.
Es gab Vortragszyklen zum Thema „Ethik und Wirtschaft“, zum „Darwin-Jahr“ oder zum „Vergessen und Erinnern bei Faust“. Welt-Musiker wie das Trio Parnassus, das Calmus-Ensemble, das Dalibor-Klavierquartett, Singer Pur und der Cellist Alexander Baillie sind regelmäßig zu Gast in Nordenham. In guter Erinnerung ist auch das Sinfoniekonzert in einer Fertigungshalle des Flugzeugwerks in Einswarden. Und 2003 richteten die Nordenhamer sogar die Jahrestagung aller damals 55 Goethe-Gesellschaften Deutschlands aus.
Lob für den Bürgermeister
Der Rückzug der vier Vorstandsmitglieder prägte zwar die diesjährige Mitgliederversammlung der Goethe-Gesellschaft, aber es mussten auch Regularien abgearbeitet werden. In seinem Jahresrückblick dankte Burkhard Leimbach allen 308 Mitgliedern für ihre Treue. Bürgermeister Hans Francksen sprach er ein dickes Lob aus: In einer Sitzung aller kulturtragenden Vereine habe er in ermutigender Offenheit für Verständnis bei der Kürzung der Zuschüsse geworben.
Positiv fielen auch die Berichte in den Sparten Wort und Musik aus. Einen Wermutstropfen schüttete jedoch Noch-Kassenwart Udo Börger ein. In den zurückliegenden 17 Jahren sei der Verein meistens finanziell durchs Loch gekommen und habe manchmal sogar kleine Rücklagen bilden können. „Diesmal aber starten wir mit einem Defizit von mehreren tausend Euro“, musste er vermelden. Der Grund seien wegbrechende Förder- und Sponsorengelder sowie die Zahlungen an die GEMA und die Künstlersozialkasse. „Das sind Raubritter“, sagte Udo Börger, „ihre Forderungen sind für mich nicht nachvollziehbar.“
