NORDENHAM - NORDENHAM - Eine großformatige Historienmalerei hat seinen Platz im Nordenhamer Museum gefunden. Gestern präsentierte Hans-Rudolf Mengers, Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes, das 1,80 mal 3,85 Meter große Fresko „Der Bruderkuss“ (1894) von Hugo Zieger im Museum Nordenham. Nach den Worten Mengers handelte es sich um den Abschluss eines großartigen Projekts, das die Beteiligten zwei Jahre lang beschäftigt hatte. Die Kosten belaufen sich auf rund 30 000 Euro. Das Geld haben größtenteils Sponsoren aufgebracht (die NWZ berichtete).
Die Szene prägt sich jedem Betrachter ein: Gerold küsst den abgetrennten Kopf seines Bruders Didde Lübben, bevor er selbst enthauptet wird. Heddo Peters, der über die politische Situation an der Unterweser um 1400 berichtete, bezeichnete den Bruderkuss als „dramatische, rührende und ehrenvolle Geschichte“. Die Teilnehmer pflichteten dem Mitarbeiter des Heimatbundarchivs bei. Bürgermeister Dr. Georg Raffetseder bezeichnete das Fresko „als einen Teil der Nordenhamer Geschichte“.
Wie Mengers erläuterte, gestaltete sich die Rettung des 110 Jahre alten Freskos im Erbhof der Familie Lübben in Schmalenfletherwurp recht schwierig. Die Aktion glich einem Wettlauf gegen die Zeit. Das Bild war bis zuletzt Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Schmutz ausgesetzt, bis es vor gut zwei Jahren geschützt werden konnte. Für das Projekt hätten sich auch Georg Lübben und Eilert Tantzen, die beiden jeweiligen Vorsitzenden der Familienverbände, eingesetzt, merkte Mengers an, der den Rüstringern seit nunmehr sechs Jahren vorsteht.
Das Fresko hat das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in Hannover als „bedeutendes Zeugnis für Historienmalerei“ eingestuft. Es sei „von hoher regionaler Bedeutung“, stellte Kerstin Klein von der Denkmalpflege fest. Der Maler Hugo Zieger (siehe auch nebenstehenden Kasten), der an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, habe sich mit der Darstellung der Wiedertäufer in Münster und mit dem Bruderkuss einen Namen gemacht. Die „effektvolle Wirkung“ der großformatigen Bilder sollte laut Klein die Volksaufklärung zu jener Zeit fördern.
Über die Rettung aus denkmalspflegerischer Sicht referierte Klaus Thönes. Der Restaurator hatte das Fresko in seinem Worpsweder Atelier bearbeitet und konserviert. Unter der Federführung von Dr. Timothy Saunders, Leiter des Museums Nordenham, entstanden vier Informationstafeln, die Aufschluss über die Geschichte geben.
Ein Ölgemälde, das die gleiche Szene zeigt wie das Fresko, hängt bereits im Friesenzimmer des Museums. Eine dritte Szene des Malers aus dem Oldenburger Stadtmuseum ist nun ebenfalls als Leihgabe zu bewundern. Für die Musik sorgte gestern Jörg Peter Birke (Sologesang und Gitarre).
