NORDENHAM - NORDENHAM - Rund 60 Kunstbeflissene hat jetzt Gesine Lohse zur Eröffnung der Ausstellung „Menschen und andere Ansichten“ am Sonnabend im Alten Rathaus begrüßt. Die Vorsitzende des Kunstvereins Nordenham kündigte die Werke der Bremer Künstlerin Ulrike Strauch-Göbel als beeindruckende Schöpfungen an, in denen Posen und Farben dominierten. Den Einführungsvortrag hielt Petra Lanfermann, freiberufliche Mitarbeiterin der Kunsthalle Bremen.
Das Schaffen von Ulrike Strauch-Göbel sei so bunt wie ein Lebensstrauß, sagte Lanfermann. Es gehorche dabei eigenen, spannenden künstlerischen Prinzipien. Neben der außerordentlichen Vielseitigkeit der Künstlerin falle das als wesentlich zu bezeichnende Prinzip der Serie auf. Ein Thema werde mehrfach wiederholt.
Vor allem Claude Monet war es, der dieses Prinzip in die Kunst trug. Während einer Ausstellung im Frühling 1891 konfrontierte der Maler sein Publikum mit 15 Bildern, die alle das gleiche Motiv zeigten. Damit stellte Claude Monet ein künstlerisches Prinzip vor, das fortan nicht nur die Malerei, sondern gleichfalls die Bildhauerei und die Fotografie prägen sollte.
Das Grundmuster der Serie besteht in der Wiederholung, stellt jedoch die einzelnen Kunstwerke nicht in den Dienst einer verbindenden Erzählung – wie etwa bei einem Zyklus. Auch bei Ulrike Strauch-Göbel ist die Serie gleich Variation. Jedes einzelne Bild macht Lust auf mehr und genügt dabei doch sich selbst. Sie wählt Themen, an denen sie sich geradezu seriell abarbeitet, ohne sich mit dem puren Abbilden eines Motivs zu begnügen.
Die Künstlerin verarbeitet alle Eindrücke und auch Empfindungen, um das subjektiv Wesentliche, den Kern, herauszuschälen. Doch sie kommt nicht zu der letztlich einzigen endlichen Form. Sie reduziert ständig die Formen, wie ein Bildhauer, der am rauen Stein arbeitet und ihm allmählich eine Gestalt gibt.
Die ungeheure Intensität, die von ihren Figuren ausgeht, erfährt im Bild eine zunehmende Auflösung. Dem wesentlichen Ausdruck dieser Bilder – Gestik, Bewegung, Energie, Dynamik – zollen die scheinbar vibrierenden Farbflächen Tribut. Davon zeugen die Positionen und teilweise extremen Körperhaltungen, die es zu entschlüsseln gilt. Ulrike Strauch-Göbel sagt, dass es ihr weniger um einen Wiedererkennungseffekt gehe, sondern vielmehr darum, ein Thema immer wieder in unzähligen Variationen zu bearbeiten.
• Noch bis zum 15. November wird die Ausstellung von montags bis sonnabends zu den Öffnungszeiten der Nordenham Marketing und Touristik (NMT) sowie jeweils am ersten Oktober- und November-Sonntag von 15 bis 17 Uhr gezeigt.
