NORDENHAM - „Fisch an Land“ heißt das Rezeptbuch, das Meike Musall lächelnd in die Kamera hält. Kochrezepte – eigentlich nicht der Stoff, aus dem Bestseller gemacht sind. Doch die Landfrauen Cuxhaven haben es mit ihrer fünften Veröffentlichung auf den vierten Platz der letztjährigen Bestsellerliste der Buchhandlung von Bestenbostel geschafft. Rund 200 Exemplare, schätzt Mitarbeiterin Meike Musall, hat die Buchhandlung in der Nordenhamer Marktpassage von dem Kochbuch bis jetzt verkauft.
364-mal verkauft
Noch bessere Verkaufszahlen hat in Nordenham nur Stephenie Meyer: Die Erfinderin der „Biss“-Serie brachte 2009 alle vier Teile ihrer Vampir-Geschichten unter den fünf meistverkauften Büchern bei von Bestenbostel unter. 364-mal verkaufte sich der vierte Teil bislang – Rekord. „Das Gute an den Romanen ist, dass sie altersunabhängig sind“, sagt Musall. „Sie werden sowohl von Viertklässlerinnen gelesen als auch von 60-Jährigen.“ Bis zum Jahresende schaffte es Stephenie Meyer damit auch in der Unterweserstadt auf Platz eins.
Deutschlandweit wird das kürzlich veröffentlichte Buch „Hummeldumm“ von Tommy Jaud („Vollidiot“) einschlagen, glaubt Musall. „Ein absolutes Männerbuch“, in dem der Protagonist mit dem Albtraum Internetabstinenz vertraut gemacht wird. Als Kontrastprogramm dazu empfiehlt sie der weiblichen Leserschaft Anna Gavaldas „Ein geschenkter Tag“, der – irgendwo im warmen Frankreich spielt und Lust auf den Frühling macht.
Dass gute Bücher nicht immer im sonnenverwöhnten Frankreich spielen müssen, zeigt Monika Taubitz mit „Treibgut“, einer Geschichte aus Nordenham. „Das ist regional der stärkste Titel“, verrät Meike Musall. „Durch die Lesung in Blexen ist das Buch noch bekannter geworden.“ Beliebt ist die Lokalecke vor allen Dingen bei Touristen. „Die meisten nehmen Bildbände mit nach Hause“, sagt sie.
Auf eine andere Art von Buchtiteln hat sich Tanja Ehmen, Inhaberin der Buchhandlung Kiekinnewelt in der Bahnhofstraße, spezialisiert: „Der Bereich der Esoterik ist stark im Kommen“, sagt die 36-Jährige. So finden sich zwischen den Romanen immer mehr Heilsteine und Räucherstäbchen. Das beliebteste Buch in Tanja Ehmens Regalen ist zurzeit „Engel in meinem Haar“ von Lorna Byrne, in dem die irische Mystikerin über das Wichtigste im Leben schreibt: Freundschaften, Familie, Liebe. „Das Buch ging bereits in großer Zahl über den Ladentisch“, stellt sie fest.
Kurz darauf zeigt sie im Bestsellerregal der Buchhandlung auf einen altbekannten Roman, der auch bei ihr ungewöhnlich viele Abnehmer findet: „Bis(s) zum Ende der Nacht“. Auch bei Tanja Ehmen gibt es kein Buch, das mit der Vampir-Saga um die Hauptdarsteller Bella und Edward mithalten kann. „Die Vampir-Richtung ist sehr gefragt.“ Als „einzig legitimen Nachfolger“ der „Biss“-Serie sieht sie P.C. Cast, der in diesem Jahr den Blutdurst der Vampir-Liebhaber stillen wird, wie Ehmen vermutet.
„Der ist eh immer weg“
Auch Dieter Dollau von der Stadtbücherei merkt, dass immer mehr Vampir-Geschichten ausgeliehen werden. „Hinzu kommen Elfen und Engel sowie die kindgerechten Versionen für das jüngere Publikum.“ Um das Leseinteresse zu stillen, hat die Bücherei von jedem Meyer-Band mindestens vier Exemplare in ihrem Sortiment. Ähnliches gilt für die Bücher von Dan Brown. Noch größer sei die Nachfrage nur bei Eckhart von Hirschhausens „Glück kommt selten allein“: „Ach, der ist eh immer weg“, stellt Dieter Dollau fest.
Als witzige Alternative dazu schlägt er den Bremer Autor David Safier („Mieses Karma“) vor: „Er gehört irgendwie zur Region und wurde schließlich in unserem Gebiet bekannt“, so Dollau. In seinem neuen Roman „Plötzlich Shakespeare“ lässt er die Protagonistin Rosa in den Körper des alten Barden schlüpfen, um eine der ungewöhnlichsten Liebesgeschichten zu inszenieren. Wem das zu kitschig ist, für den hat Dieter Dollau einen alten Tipp parat: „Krimis werden nach wie vor rauf- und runtergelesen.“
