NORDENHAM - Seltsame Nebengeräusche begleiten die Leseabende der Reihe „Angst im Amtsgericht“, veranstaltet vom Verein Literaturplus Wesermarsch. Während im Januar 2007 ein orkanartiger Sturm rund um das Gebäude tobte, gab diesmal die vorsorglich bereitgestellte Verstärkeranlage urplötzlich und stoßweise laut brummende Töne von sich, die auch die überraschte Krimiautorin Renate Kampmann vom Funkmikrofon zurückschrecken ließ.

Der Vorsitzende von Literaturplus, Dr. Gernot Schenker, schaltete die Anlage kurzentschlossen ab und so las Renate Kampmann ohne technische Verstärkung aus ihrem jüngsten Kriminalroman „Fremder Schmerz“.

Zuvor hatte Amtsgerichtsdirektorin Dr. Claudia Nolte-Schwarting die rund 60 Gäste begrüßt, von denen einige auf der Anklagebank im Sitzungszimmer 2 des „schönsten Gerichtsgebäudes in ganz Niedersachsen“ Platz genommen hatten. Renate Kampmann wurde 1953 in Dortmund geboren und schloss ihr Germanistik- und Geschichtsstudium mit dem Magistertitel ab. Sie hatte zuvor als Fremdsprachenkorrespondentin, Dramaturgieassistentin bei dem bekannten Regisseur Peter Zadek in Bochum und als Produktionssekretärin beim NDR in Hamburg gearbeitet. Nach ihrem Studium war sie als freie Journalistin in Hamburg tätig und dann als Redakteurin in der Hörspielabteilung des NDR sowie als Producerin bei der Studio Hamburg GmbH.

Drehbücher geschrieben

Als freie Autorin arbeitete Renate Kampmann an einer Reihe von Fernsehserien mit wie zum Beispiel „Doppelter Einsatz“ (RTL) und „Soko 5113“ (ZDF). „Rache ist süß“ und „Die verlorene Tochter“ sind Filme, die auf Drehbüchern der Hamburger Autorin innerhalb der Fernsehserie „Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei“ basieren.

Im Jahr 2001 debütierte Renate Kampmann als Romanautorin mit dem Pathologie-Thriller „Die Macht der Bilder“, in dem die Rechtsmedizinerin Leonie Simon ebenso im Mittelpunkt steht wie in ihrem neuen Roman „Fremder Schmerz“.

Zur Geschichte: Leonie Simon hat sich in ihrer neuen Wirkungsstätte, der Charite in Berlin, gerade gut eingelebt, als sie eine schreckliche Nachricht enthält: Ihr Freund und Kollege Gotthardt ist zusammen mit seiner Frau in der gemeinsamen Villa verbrannt. Hat ihr Tod etwas mit den Arbeiten bei der Tsunami-Katastrophe in Thailand zu tun, bei der die Gotthardts wie auch Leonie Simon halfen, die Opfer zu identifizieren? Während Leonie Simon ermittelt, häufen sich die Leichen auf den Tischen der Rechtsmedizinerin. Und alle Opfer weisen Folterspuren auf.

Wo sich viele andere Kriminalautoren in den Handlungsfäden verstricken, bleibt Renate Kampmann sachlich und behält den Überblick. Gerade diese Distanz macht den Reiz ihrer Leonie-Simon-Romane aus. Auch die Tatsache, dass der Leser schon lange vor der Pathologin weiß, wer der Killer ist, tut der Spannung keinen Abbruch.

Gebrochene Hauptfigur

Die Autorin versteht es, viele Hintergrundinformationen über die Polizeiarbeit in Hamburg und Berlin einzuflechten, wobei vor allem Leonie Simon eine interessante, gebrochene Figur ist. Renate Kampmann vermittelte in Nordenham eine Menge an Wissenswertem aus der Rechtsmedizin, über die Schwächen von „Donna Leon“ und Hilfen für Gewaltopfer.

Gernot Schenker zeigte sich zum Schluss der Ausführungen ebenso gebannt wie das Publikum. „Die Spannung ist gestiegen“, sagte er und überreichte Renate Kampmann ein kleines Geschenk.