NORDENHAM - Schon zum vierten Mal sind Literatur-Freunde jetzt einer Vorladung ins Amtsgericht gefolgt. Dort las Susanne Mischke auf Einladung des Vereins LiteraturPlus vor 50 Zuhörern aus ihrem Buch „Liebeslänglich“.
Dabei machte sie ihr Publikum mit dem verstörenden Phänomen der „Prison Groupies“ bekannt. In ihrem Kriminalroman begegnet die Lehrerin Mathilde Degen in einer Arztpraxis einem bewachten Mann in Handschellen. Der gut aussehende Lukas Feller fasziniert sie durch eine Aura der Dominanz und Souveränität, die ihn umgibt. Im Gespräch stellt er sich als ehemals erfolgreicher Motivationstrainer vor und antwortet auf ihre Frage, ob er herzkrank sei, lapidar: „Ich habe kein Herz. Ich bin ein Mörder.“
Mathilde verliebt sich dennoch leidenschaftlich und heiratet Lukas schließlich trotz aller Warnungen. Solange er in der JVA Hannover einsitzt, bedeutet er keine Gefahr für sie. Nachdem aber neue Beweise angeblich seine Unschuld belegen, zieht er in ihre Wohnung ein. Für sie beginnt eine traumatische Zeit, in der sie seinen Verbrechen auf die Spur kommt. Das böse Ende der fatalen Beziehung sei aber hier nicht verraten.
Nach der Lesung ermunterte Susanne Mischke ihr Publikum Fragen zu stellen. Sie berichtete auch von ihren Recherchen zum Thema der „Prison Groupies“, der Frauen, die sich in Häftlinge verlieben. Die Autorin hat gründlich recherchiert, sowohl in der einschlägigen Literatur als auch in den Justizvollzugsanstalten Sehnde und Hannover. Vor allem drei Beweggründe kristallisieren sich heraus: Zum einen sind Frauen, die in Kindheit und Jugend Gewalt erfuhren, am ehesten geneigt, sich auf die Beziehung mit einem Häftling einzulassen, da sie Gewalt für eine Form der Stärke und einen Grund zur Bewunderung halten. Zum anderen können Frauen mit einem Helfersyndrom betroffen sein. Sie glauben fest an die Unschuld des Häftlings, geben ihr letztes Geld für ihn aus und sind davon überzeugt, dass er mit ihrer Hilfe nie straffällig geworden wäre. Wiederum andere Frauen gehen eine rein platonische Beziehung mit einem Inhaftierten ein und bevorzugen die räumliche Distanz.
Mathilde Degen ist keiner dieser Kategorien zuzuordnen. Ihre Motivation ist die vermeintliche Wesensverwandtschaft mit Lukas Feller.
