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Literatur Viele Bücher unter dieser Nummer

Nathalie Meng

Nordenham - Zum Hörer gegriffen wird in dieser Telefonzelle schon lange nicht mehr. Seit dieser Woche kann sie an der Mülheimer Straße 42 in Nordenham jedoch wieder rund um die Uhr benutzt werden, wenngleich nicht zum Telefonieren: Olaf Heinrichs hat für seine Frau Natascha eine alte Telefonzelle zu einer „Bücherzelle“ umgebaut. Diese für die Öffentlichkeit zugängliche, kostenlose Mini-Bücherei steht nun im Garten der Heinrichs und erfreut sich schon jetzt, wenige Tage nach der feierlichen Eröffnung am Dienstagabend, großer Beliebtheit.

Tauschen ist die Devise

„Wir sitzen natürlich nicht hier und beobachten, das soll ja anonym sein. Aber es wird schon viel genutzt, primär von Kindern. Erwachsene kommen eher abends“, berichtet Olaf Heinrichs. So habe sich am ursprünglichen Bestand schon einiges verändert.

Von Veränderung lebt die Bücherzelle, handelt es sich doch um eine „Tauschbücherei“, wie Natascha Heinrich betont. Die Regeln sind simpel: Leseratten dürfen Bücher ausleihen und auch spenden. Dabei dürfen sie auch ein eigenes Buch gegen eines aus der gelben Zelle tauschen. Wer möchte, darf sogar ein Buch mitnehmen.

Natascha Heinrichs erzählt, wie die Telefonzelle in ihrem Garten gelandet ist: Beim Neujahrsspaziergang in Blexen sei sie auf die „Lese-Eule“ gestoßen, ebenfalls eine Tauschbibliothek, allerdings in Form eines Hängeschrankes. Eine solche Eule habe sie sich dann zum Geburtstag gewünscht. Anstatt Lese-Eule gab es am Ende eben eine Bücher-Zelle.

Das Grundgerüst erstand Olaf Heinrichs für 450 Euro bei Ebay – ein Schnäppchen, „normalerweise kosten die mittlerweile rund 1000 Euro“, sagt er. Abgeholt hat er die Zelle in Worms. Zuhause in Nordenham wurde sie geputzt und poliert. Fußboden, Decke und Regalbretter wurden eingebaut. Dann wurde die Zelle mit Lesestoff gefüllt. Ausrangierte Bücher der Familie, von Freunden, Verwandten und vom Flohmarkt bildeten den Grundstock.

Aber warum stellt man sich nun eigentlich eine Telefonzelle in den Garten? „Wir haben nicht so den Anspruch, der Norm zu entsprechen“, lächelt Natascha Heinrichs. Aber das ist nur ein Grund. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind der Familie sehr wichtig, gerade in Zeiten, in denen Dinge, die nicht mehr gebraucht werden, immer häufiger weggeschmissen werden. Deshalb möchten die Heinrichs das Prinzip des Tauschens fördern und nicht nur ihren Kindern näherbringen.

Eine Begegnungsstätte

Natascha Heinrichs schwärmt von Tauschplätzen – etwa in Hamburg, an denen neben Büchern auch Lebensmittel oder Haushaltsgeräte getauscht werden. „Wenn so was in Großstädten klappt, warum nicht auch in einer Stadt wie Nordenham?“, fragt sie sich. Solche Tauschplätze seien ja zugleich Begegnungsstätten. Das haben die Heinrichs nun am eigenen Leib erfahren: Bei der Eröffnungsfeier für ihre Bücherzelle seien Leute aus ganz Nordenham zusammengekommen. „Einige trafen sich hier nach vielen Jahren wieder“, freut sich Natascha Hinrichs noch immer.

Eine Erweiterung der Bücherei ist bereits geplant: „Die hier wird schon zu klein“, sagt Olaf Heinrichs. Nachbarn und Bücherwürmer sollten sich also nicht wundern, wenn im Garten der Familie bald noch mehr mit Büchern befüllte Telefonzellen aufgestellt werden.

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