NORDENHAM - Obwohl der Nordenhamer Kunstverein nach einem ärgerlichen Minus und einem beträchtlichen Griff in die Rücklagen im Abrechnungsjahr 2010 endlich wieder schwarze Zahlen schrieb, ist in Sachen Finanzen längst noch nicht alles im grünen Bereich. Zwar sahen die Mitglieder während ihrer Jahreshauptversammlung am Sonntag im Friesenzimmer des Nordenham-Museums keinen Zwang zu einer Beitragserhöhung. Auch der Vorschlag, bei Ausstellungen künftig Eintritt zu erheben, wurde als nicht praktikabel verworfen. Doch will der Verein in Zukunft bei Ausstellungseröffnungen möglichst auf teure Musik verzichten. Zudem sollen die Honorare der Referenten gedeckelt werden.
Sparschwein aufstellen
Mit der Bitte um eine kleine finanzielle Anerkennung soll künftig bei Ausstellungen ein Sparschwein aufgestellt werden. Anlässlich des 40-jährigen Vereinsbestehens in 2012 bittet der Verein überdies befreundete Künstler, Bilder für eine Versteigerung zur Verfügung zu stellen.
Absolut keinen Spielraum sahen die Mitglieder unter diesen Umständen für den Wunsch, im Rahmen der Aktion „Kultur-Cent“ beim Aufbau der Nordenhamer Kulturstiftung mitzuhelfen. Der Kunstverein, so hieß es, habe als „notleidendes Kulturunternehmen“ schon genug Sorgen durch die Kürzung der städtischen Zuschüsse. Zudem sei die Kulturstiftung gegründet worden, um die Vereine zu unterstützen. Da erscheine es widersinnig, wenn jetzt die Vereine aufgerufen seien, die Kulturstiftung zu stützen. Überhaupt müsse man den Sinn der Stiftung hinterfragen, die mit lediglich 90 000 Euro ausgestattet ist. Bei dem derzeit niedrigen Zinsniveau lasse sich kaum Förderkapital erwirtschaften.
Der Vorschlag, eine Einmalspende an die Stiftung durch den Verkauf von Kunstwerken aus dem Vereinsbestand zu generieren, fand keine Mehrheit. „Ich hätte auch Bauchschmerzen dabei, Bilder, die dem Verein geschenkt wurden, zu veräußern,“ gestand die ehemalige Vereinsvorsitzende Gesine Lohse. Ex-Stadtdirektor Wilfried Fugel schlug alternativ vor, Bilder nicht zu versteigern, sondern an Nordenhamer Firmen und Institutionen heranzutreten und ihnen anzubieten, sich für Geschenke – etwa anlässlich von Jubiläen – gegen eine großzügige Spende Bilder aus dem Vereinsfundus herauszugreifen. Eine Entscheidung traf die Versammlung noch nicht. Stattdessen bekam der Vorstand den Auftrag, zunächst das Für und Wider der unterschiedlichen Vorschläge abzuwägen.
Jahresrückblick
Breiten Raum während der Jahreshauptversammlung nahmen die Rückschauen der Vereinsvorsitzenden Marlene Gerdes und der Beauftragen für Ausflüge und Reisen, Ute Krüger, ein.
„Ein wahrhaft buntes Ausstellungsjahr liegt hinter uns,“ ließ Marlene Gerdes das Jahr 2010 Revue passieren. Zuerst kam Annemarie Rein aus Hameln, die dem Verein, am Ende ihres Künstlerlebens, zahlreiche Aquarelle mit Butjadinger Motiven zum Geschenk machte. Quirlig wurde es, als sich die Schüler der Zinzendorfschule mit Bildern und Objekten mit dem Thema „Mensch und Natur“ auseinandersetzten. In guter Erinnerung seien auch die „wunderbar leuchtenden Bilder“ von Jan Bociaga, die großformatigen Mecklenburg-Impressionen von Ursula Sterly-Aniszewski, die kleinformatigen Ölbilder von Wilhelm Thäte, die an holländische Meister aus der „Goldenen Epoche“ erinnerten, oder der Sandkruger Allround-Künstler Johannes Cernota, der mit lustigen Bronzezwergen vertreten war.
Seit Mitte November bis vor wenigen Tagen schließlich zeigte der Armenier Kamo Tumasyan „eindringliche Bilder mit gewaltiger Ausdruckskraft“.
