NORDENHAM - Die Fortbildung endet jetzt. Das Museum nahm erstmals teil.

von henning bielefeld

NORDENHAM - Wer heute fotografiert, benutzt in aller Regel einen jener digitalen Winzlinge, die in jede Westentasche passen. So komfortabel hatte es Wilhelm Muckelberg vor gut einem Menschenalter nicht. Der Nordenhamer Fotograf arbeitete mit einem wunderschönen, aber außerordentlich sperrigen Gerät. Rund 600 seiner Fotografien werden im Museum für die Nachwelt erhalten.

Dass dies möglich war, ist Christine Necker zu verdanken. Die 40-jährige Berlinerin, die ein Studium der Geschichte und der Kunstgeschichte absolviert hat, ist eine der beiden Teilnehmerinnen des Projekts „Musealog“ im Nordenhamer Museum. Es qualifiziert in acht Museen im Bezirk Weser-Ems Arbeit suchende Geisteswissenschaftler für den Museumsbetrieb. Mit beachtlichem Erfolg: Im Jahrgang 2003/04 fanden 76 Prozent der Teilnehmer eine Stelle.

Christiane Necker verbrachte – ebenso wie Beate Schroedter – knapp die Hälfte ihrer jetzt zu Ende gehenden elfmonatigen „Musealog“-Zeit in Nordenham. Sie inventarisierte die rund 600 Glasnegative aus dem Atelier Muckelberg – das später von Vater und Sohn Klockgether betrieben wurde – und sicherte sie durch eine neue Verpackung. „Muckelberg hat von 1919 bis 1936 in Nordenham gewirkt, dann verlieren sich seine Spuren“, berichtet sie. „Er hat Portraits angefertigt, aber auch den Hafen und andere Nordenhamer Ansichten fotografiert.“

Die zweite Aufgabe der Hobbyfotografin hatte auch mit Fotografie zu tun. Sie bereitete eine Präsentation mit 30 historischen Postkarten vor, die in der künftigen Dauerausstellung auf einem Computer-Bildschirm zu sehen sein soll. Sie ist unterteilt in die Themen Hafen, Freizeitvergnügen, Bahnhofstraße und Straßenansichten. „Damit sind die Strukturen für die Präsentation aller unserer etwa 300 Postkarten geschaffen“, freut sich der Museumsleiter Dr. Timothy Saunders.

Die 42-jährige Beate Schroedter, ebenfalls aus Berlin, befasste sich mit den drei Versionen des Werkes „Der Bruderkuss“ von Hugo Zieger (1864 bis 1932). Die erste Version, ein 1892 entstandenes Gemälde, hängt im Landesmuseum Oldenburg, die zweite ist das 1893 auf dem Hof von Ummo Lübben in Schmalenfletherwurp entstandene Fresko, das seit Anfang des Jahres im Museum zu sehen ist, und das dritte ist das Ölgemälde von 1910, das im Friesenzimmer des Museums hängt.

Beate Schroedter hat die Werke verglichen und auch die Veränderungen notiert, die es am Fresko gegeben hat. Das ist nämlich 1946 von dem Oldenburger Maler Professor Bernhard Winter (1871 bis 1964) großflächig restauriert worden, weil es ziemlich schadhaft war. Welche Veränderungen es gegeben hat, zeigt eine 1896 entstandene Fotografie des Freskos. Wertvolle Hinweise lieferte auch der Briefwechsel zwischen Winter, dem Oldenburger Museumsdirektor und Denkmalpfleger Walter Müller-Wulckow und dem Oldenburgischen Kultur-Ministerialrat Richard Tantzen von 1938 bis 1946. Daraus geht hervor, was Winter von Zieger hielt: nicht allzu viel.