NORDENHAM - Auf dem neuen Album sind die letzten Spuren von „Trallala“ beseitigt. Davon ist Sven Lüdke überzeugt. Der Nordenhamer Gitarrist ist stolz auf die neue Mob-Rules-CD, die am 13. November weltweit erscheint. Schließlich hat er selbst eine ganze Menge dazu beigetragen. „Radical Peace“ heißt das Album. Seit Anfang 2008 haben Sven Lüdke und seine Kollegen daran gearbeitet.
Vor fünf Jahren ist der Nordenhamer bei Mob Rules eingestiegen. Die Band, deren Mitglieder allesamt aus dem Nordwesten kommen, ist in Sachen Melodic Metal eine große Nummer – nicht nur in Deutschland. Mit ihrem jüngsten Album Ethnolution A.D. erreichten sie fünfstellige Verkaufszahlen. Nun kommt das sechste Album auf den Markt. Es ist bewusst rauer gehalten als seine Vorgänger, druckvoller – „eben ohne Trallala“. Das melodische Element ist dennoch erhalten geblieben.
Am 27. November findet im Pumpwerk in Wilhelmshaven das CD-Release-Konzert statt. Vorher ist Mob Rules noch in Hamburg und in Emden zu hören. „Es läuft wirklich gut“, freut sich Sven Lüdke, den viele als Gitarrist der Nordenhamer Band Golden Erection kennen. Mit der Release-Party feiert das Sextett zugleich sein 15-jähriges Bestehen.
Für das neue Album lieferte Sven Lüdke einen Großteil der Ideen. Vor knapp zwei Jahren begann er mit dem Songwriting. Im Proberaum in Sande feilten die sechs Musiker gemeinsam an den Songs. „Dort werden sie in Form gebracht“, sagt Sven Lüdke.
Michael Ehre half aus
Und dort verständigen sich die Musiker auf das passende Arrangement. Eine wichtige Arbeit, sagt der 38-Jährige. „Denn mit einem schlechten Arrangement kann man einen guten Song kaputt machen.“ In der Anfangsphase half ein weiterer Nordenhamer im Proberaum aus. Kurzzeitig stand Mob Rules ohne Schlagzeuger da. Michael Ehre – bekannt von Metalium und Prime Time – sprang bei den Proben für das neue Album ein, bis ein neuer Drummer gefunden war.
In ihren Texten beschäftigt sich die Band mit weltpolitischen und historischen Themen. Wie schon bei den Vorgängern geht es um Machtmissbrauch, Gier und Missgunst. Und das ist keine Selbstverständlichkeit im Metal-Bereich, wo nicht selten Fantasy-Welten besungen werden, wo es um Elfen und Trolle geht. „Darauf“, sagt Sven Lüdke , habe ich aber überhaupt keinen Bock.“
„Radical Peace“ enthält das 18-minütige Stück „The Oswald File“, in dem es um die Ermordung des früheren amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy geht. Das war eine doppelte Herausforderung für die Band. Bei einem Song dieser Länge besteht schließlich die Gefahr, dass er langweilig wird. Andererseits darf er nicht überfrachtet werden. Eine schwierige Balance. Sven Lüdke ist aber davon überzeugt, dass sie gelungen ist.
Viel Recherche
Im Text beschäftigt sich die Band mit all den Ungereimtheiten rund um das Attentat, bei dem ein Hoffnungsträger aus dem Weg geräumt wurde. Die Gruppe nimmt das Schreiben der Texte sehr ernst. Gerade für den Kennedy-Song haben die Musiker, vor allem Matthias Mineur, viel Arbeit und Zeit in die Recherche investiert.
Dass sie mit dem neuen Album nicht das ganz große Geld verdienen werden, wissen Sven Lüdke und seine Mitstreiter. Mit der Verbreitung des Internets sei der CD-Markt zusammengebrochen, sagt Sven Lüdke. Dass die Band aber nach wie vor hoch im Kurs steht, zeigt unter anderem das Interesse von Veranstaltern, sie für ein Konzert oder eine ganze Tour zu buchen. Im nächsten Jahr wird Mob Rules zu mehreren Auftritten nach England reisen.
Seinen Lebensunterhalt verdient Sven Lüdke zwischen Proberaum, Tonstudio und Tourbus größtenteils in seinen eigenen vier Wänden – mit Gitarrenuntericht für hoffnungsvolle Nachwuchs-Musiker.
