Nordenham - Die Überwindung von Gegensätzen gehörte zu den Schwerpunktthemen im künstlerischen Schaffen von Hermann Borchers. Viele Jahrzehnte hat sich der Nordenhamer damit beschäftigt. In einer Welt, die mehr denn je das Überwinden von Gegensätzen für ein friedliches Zusammenleben erfordert, wird der freundliche Mann mit der Baskenmütze fehlen. Hermann Borchers ist am 16. September im Alter von 89 Jahren gestorben.

Hermann Borchers hat sich vor allem als Künstler einen Namen gemacht. Aufgewachsen ist er in Tossens, wo sein Vater die Schule leitete. Er fuhr täglich mit der Butjenter Bahn zum Nordenhamer Gymnasium. Dort hatte er Unterricht beim legendären Kunsterzieher Rudolf Matthis. Später studierte Hermann Borchers Kunst, Kunstgeschichte und Philosophie. Nach zwei Lehrerstationen in Oldorf bei Jever und in Neuenburgerfeld kam er 1964 an die Realschule I in Nordenham.

Vor allem am Kunstunterricht, den er gerne sehr praxisnah gestaltete, hatte er immer großen Spaß. Deshalb freute sich Hermann Borchers, als seine Schüler den Auftrag bekamen, Plakate für die Nordenhamer Woche zu gestalten.

Nachdem seine Frau gestorben war, zog Hermann Borchers 1986 in sein Atelierhaus am Bauernweg. Hier hatte er alle Freiheiten, sich mit seiner Kunst zu beschäftigen. Vor allem in seinen kinetischen Objekten und in seinen Schmetterlingscollagen spiegelt sich das Schwerpunktthema des Nordenhamers wider: die Überwindung von Gegensätzen. Das Haus von Hermann Borchers in Atens ist im Laufe der Jahre selbst zu einer Art Kunstwerk geworden.

Hermann Borchers war 1972 Gründungsmitglied des Nordenhamer Kunstvereins und arbeitete anschließend zehn Jahre im Vorstand. Vor vier Jahren, anlässlich seines 85. Geburtstags, widmete ihm der Kunstverein eine Ausstellung mit dem Titel „Philosophie und Experimente – ein Leben lang“.

In Nordenham wurde Hermann Borchers nicht nur als Künstler geschätzt, sondern auch als aufmerksamer Beobachter, kritischer Geist und Mahner. Ohne Hermann Borchers gäbe es die Nordenhamer Jahnhalle wahrscheinlich nicht mehr. Als das Gebäude Anfang der 80er-Jahre einem Hochhaus weichen sollte, scharte er viele Mitstreiter um sich und protestierte mit Überzeugungskraft, Leidenschaft und mit Erfolg gegen die Abrisspläne.