NORDENHAM - Vor gut besetzten Stuhlreihen in der Kultur-Arena Nordenhams boten Ute Loeck, Peter Mohr und Marco Schiedt ein 15-teiliges Programm. Für die Musik sorgten der Pianist Hartmut Schwarze und der Schlagzeuger Steffen Reichert. Regie führte Matthias Nagatis.

Bei „Entree“ stritten die drei Kabarettisten um den richtigen, einheitlichen Auftritt. Während Loeck und Mohr über Angst-Erzeugung durch Nachrichten räsonierten, forderte Schiedt zur Rebellion in Deutschland auf – ganz wie in Nordafrika.

In der „Gerüchteküche“ boten alle drei deren Verbreitung als Call-Service an. Gerüchtsdiener Emil (nicht E-Mail) lieferte zum „Klatsch-Basen-Tarif“ mit „Erpress-Zuschlag“, was in Umlauf gebracht werden sollte. Eine pointierte Satz-Verdrehung im Stile einer „Stillen Post“ rundete die Nummer ab. Unter dem Titel „Sie haben uns tausendmal belogen“ bekam die Boulevard-Zeitung mit den vier großen Buchstaben ihr Fett ab.

Deutscher Grusel-Talk

Mutter (Ex-Stasi-Spitzel), Opa (Ex-Hitlerjugend) und Sohn (Junge Nationaldemokraten) gestalteten deutschen Grusel-Talk auf dem Wohnzimmersofa unter dem Titel „Volkssturm“, bevor Günther Oettinger (Mohr), EU-Kommissar für Energie, im „Kanal Fatal“ als Werber für gute Englisch-Kenntnisse mit „English for runaways“ (Englisch für Fortgeschrittene) Zwerchfell-erschütternde Sprach-Proben abgab – wie etwa „Nobody can reach me the water“.

Gleich zweimal erschien die Spitze der Regierungskoalition als Kasperle-Theater auf der Bühne. Kasper Seehofer, Mutter Merkel und der kleine Westerwelle („Ich bin so schön“) schlenkerten im „Spitzengespräch“ Puppenarme und wackelten mit ihren Köpfen. Insbesondere Schiedts Kanzlerinnen-Puppe löste Lachsalven aus. Als Programm-Abschluss kochten sie „Einheitsbrei“, wobei Merkel und Westerwelle („der macht’s nicht mehr lange“) immer wieder die Kasper-Klatsche zu spüren bekamen. Der Einheitsbrei, den sie dem Volk kochten, wurde schließlich versüßt: mit Fußball-WM!

Elektronischer Wegweiser

Der „Politnavigator“ erwies sich als elektronische Wegweiserin zum rhetorischen Erfolg für Politiker. Die Navi-Stimme (Loeck) riet dem Redner, was man zum deutschen Obama benötige: „Drücken Sie auf die Tränendrüse“, „Jetzt rechts abbiegen“, „Jetzt Gas geben“, oder aber: „Fehler, bitte wenden!“ Und der drahtlos verbundene Polit-Darsteller (Schiedt) folgte ihr, dabei unter anderem Dieter Hallervorden, Marcel Reich-Ranicki und schließlich Erich Honecker mit hohem Spaßfaktor parodierend.

Nach der Pause dirigierte Mohr das „Bundestags-Streichorchester“, das „Berliner Luft“ spielen sollte. Nachdem zunächst einzelne prominente Polit-Akteure aus der Reihe tanzten („Brüderle, früher anfangen“, „Schäuble, nicht so schnell“, „Westerwelle, nicht immer so laut“), gelang zum Schluss ein achtbarer Vortrag.

Überraschend im Himmel gelandet, erfuhr ein Erdenbürger vom Erzengel (Loeck), dass Gott die Erde schon längst als unrentabel aufgegeben habe. Er habe sie komplett an den Hedge-Fonds „Cerberus“ verkauft, dessen Chef „Lutz Ifer“ sie nun abwickle. Dazu passte der Song „Schade, schade, schade“, in dem Mohr musikalisch überzeugend zu den Klängen des Beatles-Titels „Across the Universe“ die Zerstörung unserer schönen Welt beklagte.

Flammendes Plädoyer

„Napoleon“ (Schiedt) hielt anschließend ein flammendes Plädoyer gegen die Friedenssehnsucht. Nur der Krieg könne weltweite Überbevölkerung wirkungsvoll vermeiden und Männern die nötige Handlungsfreiheit wiedergeben. Den Krieg gegen den Terror hatten sich die drei sonnen-bebrillten BKA-Beamten auf die Fahne geschrieben, die in „Rock and Roll“ auf die Bühne traten. Sie berichteten von fiesen Untergründlern in Deutschland, wie „Bin im Urlaub“, „Bin schlafen“ oder gar „Bin nicht zuständig“, die unsere Zivilisation bedrohten. Das Trio sang ihnen ein fetziges Lied.

Silbermonds „Gib mir’n kleines bisschen Sicherheit“ diente schließlich als Vorlage für die Zugabe der Leipziger Pfeffermühle, deren Nordenhamer Auftritt begeistert sowie anhaltend und rhythmisch beklatscht wurde.