NORDENHAM - Herbert Grönemeyers Klassiker „Currywurst“ schallt aus den Lautsprechern, während Else ihre Imbissbude einrichtet. Schon bald sollen die Kinder aus dem Nordenhamer Gymnasium bei ihr vorbeikommen. Die erste ist Jennifer, die liebend gern Fastfood vertilgt, nur leider nie bezahlt. Ein Kind ohne Arbeitshaltung und Disziplin, wie ihr neuer Englischlehrer ihr gerade bescheinigt hat, woraufhin sie frech seinen Unterricht verlassen hat. Das bringt Jennifer Bewunderung bei den Mitschülern ein. Nur Else (gespielt von Eva Langreder) ahnt, dass die Geschichte nicht glatt verlaufen wird. Und so beginnt eine turbulente Story auf der Bühne des Theater Fatales im Güterschuppen.
Jennifer (Laura Suhren) wird nach dem Babysitten bei Frau Böttcher (Dorothee Klemd) des Schmuckdiebstahls bezichtigt und befindet sich bald auf der Flucht. Polizei, Presse und ihr Pauker verfolgen sie. „Das Kartenhaus“ heißt das Theaterstück, das am Freitagabend Premiere feierte.
Beim Umbau mitgeholfen
Erstmals stehen nicht die Erwachsenen des Theaters Fatale auf der Bühne, sondern die Nachwuchsakteure aus dem eigenen Verein. Seit gut einem Jahr gibt es die Fatale-Teens. Die Jugendgruppe lernte zunächst neun Monate lang die Grundlagen des Theaterspiels, bevor sie am Anfang dieses Jahres begann, ein eigenes Stück einzustudieren. Die Regie führten Ulrike Schönherr und Detlef Glückselig. Viel schneller als geplant konnte das Stück zur Aufführung kommen. Dafür musste der Theatersaal innerhalb weniger Tage umgebaut werden, denn noch am vorangegangenen Wochenende hatten die Erwachsenen auf der Bühne gespielt. Beim Umbau halfen die Teens mit. Die Zusammenarbeit zwischen Erwachsenen und Jugendlichen habe sehr gut geklappt, sagt Uschi Wilkens vom Theater Fatale.
Die erste Bühneninszenierung der Nachwuchsschauspieler ist äußerst gelungen. Das Publikum lacht und applaudiert viel. Den Jugendlichen gelingt es, die unterschiedlichen Charaktere des Stückes lebendig werden zu lassen. Da ist zum einen die Hauptfigur Jennifer, die ungeschönt als freche kleine Göre bezeichnet werden kann. Ihre Schulden bei Else am Imbiss will sie mit Babysitten tilgen, stellt aber bald fest, dass Kinder sehr anstrengend sein können und ist ihren Job schnell wieder los. Ihre Freundinnen sind hin und her gerissen zwischen Abenteuerlust und schüchterner Zurückhaltung. Auch diese vier Charaktere stellen die Schauspielerinnen überzeugend dar.
Vor Kommissar Baumeister (Olaysha Brown) zuckt wohl auch so mancher Gast im Publikum im Verhör zusammen, umso sanfter ist Assistentin Kramer (Kristin Guhse). Lehrer Dr. Götze (Robin Lippa) stolziert als Oberstudienrat und rennt später schreiend über die Bühne.
Die Dialoge sitzen
Rasant ist das Stück, verlangt Textsicherheit von den Darstellern und punktgenaue Aktionen. Die Dialoge sitzen, die Handlungen auf der Bühne greifen ineinander. Es gibt Szenenapplaus und am Ende lang anhaltenden Beifall für die Jugendlichen. Die Fatale-Teens haben dank ihrer eigenen Motivation und der Begleitung durch Ulrike Schönherr und Detlef Glückselig einen hervorragenden Bühnenstart hingelegt. Ihre Leistungen gehen weit über durchschnittliches Schülertheater hinaus. Auch so manche etablierte Laienspielschar kann da nicht mithalten.
Großen Anteil am Erfolg des Stückes haben auch Kalle und Ede, zwei dubiose Gestalten, die mit Anzug, Krawatte, Sonnenbrille und Wollmütze über die Bühne schleichen. Die von Marcel Lübken und Mirco Hecken gespielten Figuren fallen durch ihre kuriosen, fast asymmetrischen Dialoge auf. Als Geldeintreiber schleichen sie mit Taschenlampen über die dunkle Bühne. Das Publikum lacht viel über die beiden Halunken und spendet ihnen reichlich Applaus. Auf die nächste Gangstertour der beiden kann das Publikum gespannt sein.
