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Schillers „die Räuber“ In Nordenham Spektakel wie im Schweiger-Tatort


Szene  aus „Die Räuber“: Mit dem Stück begeisterte das Ensemble der  Burghofbühne Dinslaken sein Publikum in der Stadthalle Friedeburg.
Bernd Bultmann

Szene aus „Die Räuber“: Mit dem Stück begeisterte das Ensemble der Burghofbühne Dinslaken sein Publikum in der Stadthalle Friedeburg.

Bernd Bultmann

Nordenham - Was für ein wildes und eindrucksvolles Spektakel in der Friedeburg: Die Burghofbühne Dinslaken gastierte am Mittwochabend mit ihrer Version von Friedrich Schillers Erstlingsdrama „Die Räuber“ in der Stadthalle. Und das Ensemble begeisterte rund 200 Besucher mit seiner eindrucksvollen Darbietung.

Die Geschichte des 1782 uraufgeführten Werkes ist schnell erzählt. Der alte Fürst Moor lebt auf einem Schloss und hat zwei Söhne. Der erstgeborene Karl ist sein Liebling und der designierte Erbe. Karl führt ein ausschweifendes Studentenleben in Leipzig und ist mit Amalia von Edelreich liiert. Der jüngere Sohn Franz ist eher hässlich. Er begehrt Karls Erbe und Freundin. Er spinnt eine bösartige Intrige, die dazu führt, dass der alte Moor Karl verstößt. Aus Wut gründet dieser eine Räuberbande, die mordend durch die Lande zieht. Am Ende des Dramas fliegt die Lüge zwar auf, aber alle Hauptpersonen sind so in Schuld verstrickt, dass nur der Tod die Lösung darstellen kann.

Preisgekrönter Regisseur

Inszeniert hat das Stück der mehrfach preisgekrönte Regisseur André Rößler zusammen mit der Dramaturgin Katja Blank. Sie orientieren sich zwar meistens an der altmodischen Sprache Schillers, bringen aber auch viele neumodische Begriffe und Requisiten ins Spiel. So hörte man die Räuber mehrfach „Wie geil“ ausrufen, ihr unheilvolles Bündnis wurde mit Bier aus den bekannten Ploppflaschen besiegelt. Briefe brachte der DHL-Bote. Am auffälligsten waren aber die Gasdruckgewehre, die einen höllischen Krach machten und für etwa 15 Personen auf der Bühne den Tod bedeuteten. Da fühlte man sich fast wie in einem Schweiger-Tatort.

Musikalisch gab es unter anderem „More and More“ von dem Captain Hollywood Project und „Hit the road Jack“ zu hören. In beiden Liedern kommt oft das englische „more“ vor, und das spricht sich halt wie Moor. Der Clou der Inszenierung war aber, dass alle Personen aus der Adelswelt menschliche Marionetten waren, gespielt von schwarz gekleideten Puppenspielern hinter ihnen, auch ihre Stimmen kamen von außerhalb der Bühne. „Das ist der Konzeptgedanke für die soziale Enge und die Hierarchie, die nichts mit dem freiheitlichen Gedanken von Karl gemein hat“, so Rößler. Überzeugend waren auch das Bühnenbild mit den riesigen Spiegelflächen und dem Schachbrettboden sowie die tadellose Tontechnik.

Schüler schauen zu

Der ehemalige Stollhammer Pastor Joachim Tönjes fand die Aufführung „unheimlich irre“, gemeint im positiven Sinne, wie er betonte. Kollegin Heike Boelmann-Derra war froh, dass sie sich vorher noch im Netz eine kurze Zusammenfassung des Inhalts angesehen hatte. Die Umsetzung fand auch sie sehr gelungen: „Hier versteht man sofort, wie Terrorismus entstehen kann“. Auch zwei Deutsch-Leistungskurse des Nordenhamer Gymnasiums besuchten die Vorstellung, obwohl sie eigentlich gerade Goethes Iphigenie bearbeiten. Einer der Schüler war Ömer Sayan, der den Abend einfach toll fand. Die Idee mit den Marionetten beeindruckte ihn besonders.

Das Publikum in der Stadthalle belohnte die Leistung der acht jungen Akteure von der kleinsten der fünf Landesbühnen in Nordrhein-Westfalen mit minutenlangem Beifall.  Wer Friedrich Schillers Drama mal ganz anders erleben möchte, dem sei ein kleiner Film von Michael Sommer empfohlen. Einfach „Die Räuber to go“ bei You Tube eingeben und das Video schauen. Darin wird in zehn Minuten die komplette Handlung mit Playmobilfiguren und Schlümpfen dargestellt, einfach köstlich.

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