NORDENHAM - Mit großem Drumherum und viel Blitzlichtgewitter werden neue Kinofilme normalerweise der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Macher von „Schola Latina II“ indes wählten einen anderen Weg. Ein kurzes Pressegespräch im schmucklosen Konferenzraum des Nordenhamer Gymnasiums musste reichen. Ins Kino geschafft haben sie es trotzdem.

Beziehungen zu Sat.1

Sie, das sind die 25 Schüler der Klasse 8l. Gemeinsam mit ihrer Lateinlehrerin Elke Gerr haben die Jugendlichen ein beachtliches Filmprojekt auf die Beine gestellt. „Schola Latina II“ lautet der Titel des Folgewerks der ersten Version, die die Schüler ein Jahr zuvor abgedreht haben. Schon damals war die Produktion ein voller Erfolg, verkaufte sich gleich mehrmals. Jetzt stehen die Laien-Schauspieler und Nachwuchs-Regisseure jedoch vor ihrem Durchbruch: Das neue Werk kommt in die Kinosäle. Mit dem Cinespace an der Bremer Waterfront ist bereits alles klar, auch große Kinos in Hannover, Berlin und Hamburg zeigen Interesse an der Ausstrahlung von „Schola Latina II“. Schüler Rico von Hollen ließ seine Beziehungen zu dem Fernsehsender Sat.1 spielen. Dieser empfahl den Filmnachwuchs an die großen deutschen Kinos.

„Der Trailer ist zu 80 Prozent fertig. Die gesamte Produktion war dieses Mal deutlich aufwendiger als beim ersten Teil“, betont der Schüler. Mit teuren Hollywood-Produktionen kann sich der Schülerfilm selbstverständlich noch nicht messen, professionell gearbeitet wurde dennoch. Kamerakräne, Green Box, Hilfe bei Schnitt und Kostümwahl: Nach rund einer Woche hatten die Schülerinnen und Schüler alle Szenen im Kasten. „Das Drehbuch geschrieben und die Proben absolviert haben wir zuvor in unserer Freizeit oder während der Lateinstunde“, sagt Jessica Albers.

Seine besondere Note erhält „Schola Latina II“ tatsächlich durch seine lateinischen Dialoge. Reist in dem ersten Teil noch die heutige Schülergeneration in die Antike, so verhält es sich nun umgekehrt. Menschen aus der Antike finden sich plötzlich im Zeitraffer im 21. Jahrhundert wieder, stehen auf dem Nordenhamer Marktplatz, im Telekommunikationsladen und Supermarkt und wissen nicht, wie sie dorthin gekommen sind. „Das ist für sie eine besondere Problematik, doch in dem Film gibt unsere Lateinlehrerin den Zeitreisenden dann einen Crashkurs“, erläutert Tilo Hollens, der in der Filmproduktion gleich zwei Hauptrollen übernommen hat. Auch Bürgermeister Hans Francksen konnten die Achtklässler für eine Sprechrolle gewinnen.

Reise nach Dubai

Derweil wünschen sich die Jugendlichen derartige Projekte in mehreren Schulfächern. „Das war mal etwas neues“, sagt Lisa Bultmann, ihr Klassenkamerad Tilo Hollens spricht gar davon, „mehr Gefühl für die Sprache Latein“ entwickelt zu haben. Zudem sei die Aussprache deutlich besser geworden.

Allein mit Sponsoren- und Fördergeldern ist die Klasse bei der Film-Realisierung nicht ausgekommen. Jeder Schüler steuerte aus eigener Tasche weiteres Geld hinzu. Die Mädchen und Jungen hoffen, dass sich jetzt aus den Einnahmen von „Schola Latina II“ ihre Klassenfahrt finanzieren lässt. Dann soll es zwar nicht zu den großen Vorbildern nach Hollywood gehen, „aber wir haben offen und ehrlich über Dubai nachgedacht“, schmunzelt Rico von Hollen.