NORDENHAM - Hinter vielen guten Ideen steht das Aber der Finanzierbarkeit. Doch bei der Planungswerkstatt zur Innenstadtentwicklung, zu der die Stadt am Donnerstagabend ins Woolworth-Obergeschoss eingeladen hatte, wurde das Wort „Aber“ zum Tabuwort erklärt. Mehr als 100 Interessierte, von denen nicht alle bis zum Schluss durchhielten, nahmen am vierstündigen Informations-Marathon teil.
Ein Themen-Schwerpunkt war das Bahnhofsgebäude. Für den Geographen und Marketing-Berater Wolfgang Schultes, der die Veranstaltung moderierte, bietet er ein riesiges Potenzial. „Zurzeit macht das Gebäude einen schäbigen Eindruck.“ Aber seine Herrichtung und Nutzung sei eine machbare Herausforderung. Nach den Worten von Schultes stehen einschließlich der Kellerräume 2700 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, die für viele verschiedene Zwecke genutzt werden können.
Der Moderator prophezeite, dass die Interessenten Schlange stehen werden. Und tatsächlich zeigte sich bei der Ideenwerkstatt, dass zahlreiche Interessengruppen mit einem Einzug ins Bahnhofsgebäude liebäugeln. Alina Elsner und Anna Schnittker vom Jugendparlament der Stadt stellten ihre Vision von einem Jugendzentrum, ergänzend zum Angebot in der Jahnhalle vor. Wichtig ist ihnen, dass dieses Jugendzentrum auch am Wochenende geöffnet ist.
Auch City-Managerin Ilona Tetzlaff kann sich gut vorstellen, dass Nordenham Marketing & Touristik eine ganze Reihe von Dienstleistungen im Bahnhof anbietet. Als Endpunkt der Bahnlinie und Anlieger mehrerer Fahrradrouten biete sich der Bahnhof geradezu an – für die Touristen-Information, die Zimmervermittlung, für Ticketverkauf und Fahrradverleih. Auch die Einrichtung eines Gästehauses unter der Regie eines Hoteliers sei denkbar.
Jochen Dudeck, Geschäftsführer des Präventionsrates sieht den Bahnhof als eine Chance, die überall in der Stadt zerstreuten Beratungsstellen zu zentralisieren. Und das sieht auch die Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes, Christine Sassen-Schreiber, so. Der Kinderschutzbund hat schon seit längerer Zeit ein Auge auf den Bahnhof geworfen und kann sich gut vorstellen dort verschiedene Angebote vorzuhalten. Volker Wittkowski, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Nordenham, schwebt die Einrichtung einer Seemannsmission vor. Für Wolfgang Schultes ist eine Kneipe unerlässlich.
Das Obergeschoss bietet sich nach Meinung des Marketing-Beraters als Weiterbildungszentrum an. Dabei hat er die Deutsche Angestellten Akademie und die Kreisvolkshochschule im Visier. Vertreter der beiden Einrichtungen signalisierten, sich am weiteren Planungsprozess zu beteiligen. Nach den Worten von Schultes eignet sich der Keller des Bahnhofs, um Übungsräume für Musikgruppen und Lagerräume einzurichten.
Der Marketing-Berater sieht auch die Notwendigkeit, das Bahnhofsumfeld zu einem Kultur- und Freizeitort umzugestalten. Hier habe das Theater Fatale mit der Herrichtung des alten Güterschuppens vorbildlich den Anfang gemacht. Für den Lokschuppen kann sich Schultes eine Indoor-Soccer-Anlage vorstellen.
Er sei überzeugt davon, dass sich der Bahnhof mit einer schwarzen Null betreiben lässt, ermunterte Schultes die Diskussionsrunde. „Sagen Sie nicht: Das geht nicht. Es geht.“ Die Herrichtung des Gebäudes werde drei Millionen Euro kosten. Da es im Sanierungsgebiet City-Süd liegt, sei das Projekt förderfähig.
