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Städtepartnerschaft Eine Buche als Zeichen der Freundschaft

NORDENHAM - Manchmal sind es Randerscheinungen, die historische Momente mit Emotionen bereichern. Für diesen Augenblick hatte Jutta Gürtler einen Crashkurs in Französisch absolviert: Im Nordenham-Museum sang sie begleitet von Stefan Jaedtke am Piano „La vie en rose“ von Edith Piaf und die deutsche Version „Schau mich bitte nicht so an“ gleich hintendran. Im ehrwürdigen Friesenzimmer kam eine fast verträumte Stimmung auf. Zwei Sprachen – eine Melodie: In diesem Gleichklang wollen Nordenham und Saint-Étienne-du-Rouvray ihre deutsch-französische Partnerschaft leben. Das Chanson war die gelungene Ouvertüre für den formalen Akt: Anschließend besiegelten Bürgermeister Hans Francksen und sein französischer Amtskollege Hubert Wulfranc mit ihren Unterschriften die Partnerschaft beider Städte.

Seit vielen Jahren stehen St. Étienne und Nordenham in Kontakt. Längst gibt es einen Austausch – vor allem auf kultureller Ebene. Seit Freitagvormittag gibt es auch einen Vertrag. Kaum war die Tinte auf dem Papier, da brandete stürmischer Beifall auf im Museum. Hier hatten sich zahlreiche Gäste aus Politik und Verwaltung und aus den Nordenhamer Vereinen versammelt. Auch die französische Delegation applaudierte begeistert.

Dritte Partnerstadt

Nach Peterlee (England) und Swinemünde (Polen) hat Nordenham nun eine dritte Städtepartnerschaft. Hans Francksen sprach von einem historischen Augenblick. „Ich hoffe, dass wir es schaffen, das Band zwischen Deutschland und Frankreich noch enger zu knüpfen“, sagte der Bürgermeister. Er freue sich auf eine aktive Partnerschaft und eine gute Zusammenarbeit.

Hubert Wulfranc sagte, es gebe viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Städten. Er nannte ihren industriellen Charakter und die starke kulturelle Tradition. Es gebe aber auch Unterschiede, und es gehe in der Partnerschaft nicht darum, diese zu verwischen. Hubert Wulfranc ermunterte zu einer gegenseitigen Offenheit und zum Verständnis füreinander. Jetzt gehe es darum, den bisher engen Kreis der Partnerschaft zu durchbrechen und für die Bürger beider Städte zu öffnen.

Zu den Gästen bei der Feier gehörte auch der Vorsitzende des Komitees Normandie-Niedersachsen, Klaus Grupe. In diesem Komitee hatte die Partnerschaft ihren Anfang genommen. Denn hier ging vor Jahren die Nachricht ein, dass die Stadt an der Seine in Deutschland auf Brautschau ist. Die Nordenhamerin Edith Zurhold-Duvieuxbourg, die Mitglied in diesem Komitee ist, wurde hellhörig. Sie hat mit ihrem Engagement viel dazu beigetragen, dass aus der anfänglichen Liaison beider Städte nun eine feste Partnerschaft geworden ist.

Solche Städtepartnerschaften sind nach den Worten von Klaus Grupe nach wie vor wichtig. In der ersten Generation nach dem Krieg sei es um Versöhnung gegangen und um den Aufbau gegenseitigen Vertrauens. Die Versöhnung sei erreicht. Nun gehe es darum, die Freundschaft weiterzuentwickeln, am besten durch die Begegnung vieler Menschen. „Es muss einen Austausch geben, vor allem unter den Schulen.“

Zu Gast in Betrieben

Nachdem die beiden Bürgermeister ihre Geschenke ausgetauscht hatten, ging es raus in den Museumspark. Dort griffen Hans Francksen und Hubert Wulfranc zum Spaten und pflanzten einen Buche ein – als Symbol der Freundschaft. Am Freitagnachmittag bekamen die Gäste ein Besuchsprogramm geboten, das sie in die CVJM-Werkstätten in Friedrich-August-Hütte und in mehrere Industriebetriebe führte. An diesem Sonnabend steht unter anderem eine Rundfahrt durch Butjadingen auf dem Programm, bevor die Delegation am Sonntag wieder die Heimreise antritt.

Die Partnerschaft

mit Leben zu füllen – das ist die Aufgabe der beiden Partnerschaftskomitees in Nordenham und Saint-Étienne-du-Rouvray. Selbstverständlich waren auch sie dabei, als am Freitag im Museum die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet wurde. „Es lebe die Freundschaft zwischen den Menschen in Frankreich und Deutschland“. Mit diesen Worten brachten der stellvertretende Vorsitzende des Nordenhamer Komitees, Klaus Zurhold, und der Vorsitzende des Komitees in St. Etienne, Jacques Dutheil, ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass der bereits begonnene Austausch beider Städte weiterentwickelt wird.

Klaus Zurhold,

der die erkrankte Vorsitzende Marlo Jütte vertrat, erinnerte daran, wie er 1966 bei seinem ersten Besuch in Frankreich seine spätere Frau kennenlernte. Nach seinen Worten haben Deutsche und Franzosen in den vergangenen 1000 Jahren 26 Kriege gegeneinander geführt. „Wir haben es geschafft, in wenigen Jahren die Erbfeindschaft, die uns eingeredet wurde, zu beenden.“

Jacques Dutheil

sagte: „Ich bin überzeugt, dass uns dieser Vertrag erlaubt, eine lange Wegstrecke gemeinsam zu gehen. Unsere Städte gleichen sich wie zwei Zwillingsschwestern.“ Es sei von großer Bedeutung, die Verbindung nun zu stärken. Vorrang müsse dabei der Jugendaustausch haben. Da gebe es viel zu tun oder – wie der Franzose sagt: „Da liegt noch viel Brot auf dem Brett.“
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