NORDENHAM - NORDENHAM - Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten: Nur zu gut bestätigt das Stück „Komödie im Dunkeln“ dieses Sprichwort. Die stilvoll und nobel eingerichtete Wohnung des wenig erfolgreichen Künstlers Brindsley Miller ist nur Fassade. Gemeinsam mit seiner Verlobten Carol Melkett erwartet er an diesem Abend wichtige Gäste: Melketts Vater hat sich angekündigt, weil er sich ein Bild von seinem möglichen Schwiegersohn machen möchte. Zudem erwartet Miller einen reichen Kunstsammler. Um einen guten Eindruck zu machen, hat Miller seinem Nachbarn Harold Gorringe einige Möbel entwendet. Doch trotz guter Vorbereitung lassen ein Stromausfall und unerwarteter Besuch den Abend zum schlimmsten in Millers Lebens werden.
Die „Komödie im Dunkeln“ hat jetzt der Grundkurs Deutsch der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasiums Nordenham unter Leitung ihrer Lehrerin Christina Henkemeier aufgeführt. Im Unterricht hatten die Schüler mit Schillers „Don Carlos“ klassischen Theaterstoff behandelt. Auf Henkemeiers Vorschlag ließen sie sich für das Theaterprojekt gewinnen und probten es in ihrer Freizeit. Am Ende beider Aufführungen in der Aula des Gymnasiums am Sonntag- und am Montagabend spendete das Publikum reichlich Applaus.
Das Stück von Peter Shaffer war gut gewählt. Es enthält Wortwitz und zahlreiche dramatische Verwicklungen. Besonders aber die schauspielerischen Leistungen der Darsteller ließen die Zuschauer immer wieder herzlich lachen.
Ort der Handlung ist das Wohnzimmer von Brindsley Miller (Philip Hronec). Der Stromausfall führt die ältere Nachbarin Miss Furnival (Jennifer Behrens) zu Miller und Carol Melkett (Nadine de Wit). Als deren Vater Colonel Melkett (Alexander Wieczorek) eintrifft, fordert dieser sogleich disziplinierte Maßnahmen gegen den Stromausfall.
Der frühzeitig zurückkehrende Nachbar Harold Gorringe (Sören Drebing) will daher Streichhölzer entzünden, was Miller und Carol Melkett unter allen Umständen verhindern müssen – schließlich stehen Nachbars Möbel ohne dessen Wissen in Millers Wohnung. Zu allem Überfluss taucht Clea (Tomke Schöckel) auf, die langjährige Geliebte Millers. Und der eintreffende Elektriker Schupanski (Johannes Wilkens) wird mit dem Kunstmäzen Gudunow (Dennis Meyer) verwechselt. Der Abend könnte chaotischer nicht enden – und kaum heiterer für das Publikum.
Die Inszenierung mit inverser Bühnenbeleuchtung zeigte eindrucksvoll, wie unterschiedlich Menschen reagieren, wenn sie mit einem anderen reden – oder über ihn, hinter dessen Rücken. Die Dunkelheit aber fördert das wahre Gesicht der Menschen zutage, äußerliche Eitelkeiten verpuffen und machen den ungeschönten menschlichen Eigenarten Platz.
Doch der moralische Zeigefinger ließ bei der „Komödie im Dunkeln“ der Komik den Vortritt. Buddhas verschwanden, Schaukelstühle tauchten für die Akteure scheinbar aus dem Nichts auf, Wodkaflaschen machten sich selbstständig.
Hauptdarsteller Philip Hronec meisterte seine Rolle textsicher mit viel Natürlichkeit in seinem Spiel – und mussste eine Menge erdulden: Er verhedderte sich im Telefonkabel, wurde angespuckt und stürzte über Stühle und Treppen. Die anderen Darsteller scheuten unangenehme Szenen ebenso nicht.
Stimmig war die technische Unterstützung durch Bühnenlicht und Musikeinspielung. Daher gratulierte am Ende das Publikum den Darstellern, der Regisseurin und der Crew zu der überaus gelungenen Inszenierung.
