NORDENHAM - Vor gut 70 Zuschauern spielten am Donnerstagabend vier Schauspieler des White Horse Theatre eine englischsprachige Adaption des Shakespeare-Klassikers „Romeo & Juliet“. Bereits seit 1978 gibt das White Horse Theatre jungen Schauspielern die Chance, mit Stücken verschiedener Schwierigkeitsgrade durch Deutschland zu touren. Besonders Schulen nehmen das Angebot wahr, um ihre Schüler in Kontakt mit englischen Muttersprachlern zu bringen, so dass die zumeist vierköpfigen Ensembles bis zu zwölf Monate lang unterwegs sind.

Auch in Nordenham gastieren die Briten seit vielen Jahren regelmäßig auf Einladung des Gymnasiums. Für die Fünft- und Sechstklässler hatten die Darsteller diesmal das Märchen „Pinch of Salt“ im Gepäck, das bei den Schülern sehr gut ankam. Für die Fortgeschrittenen spielte das Quartett zweimal die Eigenproduktion „Food for thought“, welches auf psychologisch fundierte und sorgsame Weise das Thema Magersucht behandelte.

Am Donnerstagabend versetzten die jungen Schauspieler das Publikum ins hochmittelalterliche Verona. Die Familien Montague und Capulet führen eine Fehde, die regelmäßig zu blutigen Zwischenfällen auf den Straßen der Stadt führt. Der Jüngling Romeo Montague (Ashley Turner) verliebt sich derweil in die jüngste Tochter des Capulet-Clans, Julia (Rachel Gunn). Die beiden entschließen sich, die Erzfeindschaft ihrer Familien zu ignorieren und heiraten im Geheimen. Doch dann tötet Julias Cousin Tybalt (Felicity Goodman) Romeos besten Freund Mercutio (Kingsley Glover) im Duell. In einem Ausbruch von Wut rächt Romeo den Verlust sogleich und tötet Tybalt.

Nur einen Tag nach seiner Hochzeit wird der frischgebackene Ehemann aus der Stadt verbannt. Julias Vater (Kingsley Glover) weiß derweil von nichts und plant, seiner Tochter eine arrangierte Vermählung mit einem wohlhabenden Adeligen aufzuzwingen. Nach einigen Wirrungen endet die Tragödie dann mit dem doppelten Freitod des wohl berühmtesten Liebespaares der Welt.

Obwohl das ursprünglich dreistündige Stück vom White Horse Theater auf ein Drittel gekürzt wurde, forderte besonders die opulente Sprache den Zuschauern im Kulturzentrum einiges ab: Zeitgenössische Anspielungen, antike Stilmittel und altenglische Sprachbilder machen „Romeo & Julia“ selbst für Muttersprachler zu einer Herausforderung.

Trotzdem war die Aufführung mindestens eine interessante Erfahrung, zumal die Grundzüge der Handlung den meisten Besuchern bereits im Voraus bekannt gewesen sein dürften. Das White Horse Theatre konnte seinem Ruf als erfrischend besetzte und geistreich inszenierte Theaterbühne jedenfalls wieder einmal gerecht werden.