Nordenham/Wesermarsch - „Die Wesermarsch hat sich zum Literaten-Land entwickelt“, freute sich Initiator und Herausgeber Reinhard Rakow. Rund 450 Beiträge waren bei ihm für das vierte Lesebuch für die Wesermarsch eingegangen. 103 Werke von 52 Autoren wurden von einer Jury für das 460 Seiten umfassende Werk mit dem Titel „Alltag, Alltag, jeden Tag“ ausgewählt. Die Buchpremiere, verbunden mit einer Autorenlesung, lockte am Freitagabend rund 50 Besucher ins Nordenhamer Museum.
In dem Buch, das Reinhard Rakow aus Berne gemeinsam mit Dörte Spiekermann von der Ländlichen Erwachsenenbildung herausgibt, lassen Autoren aus allen Bevölkerungsschichten ein vermeintlich ödes Thema spannend werden. Die Verfasser erzählen aus ihrem eigenen Leben oder haben Erfundenes niedergeschrieben, auf Hoch- und auf Plattdeutsch. Augenzwinkerndes ist in dem Buch ebenso zu finden wie Nachdenkliches, Liebesgeschichten, Reiseberichte und philosophische Betrachtungen.
Dass das neue Wesermarsch-Leserbuch die Vorgabe erfüllt, vielfältige Facetten des Themas Alltag in kurzweiliger, gut lesbarer Form abzubilden, machten die Kostproben bei der Buchpremiere deutlich. Die Veranstaltung geriet zu einem sehr unterhaltsamen Abend.
Ein eigenes Kapitel ist in der Anthologie den Gedichten der 1937 in Monschau geborenen, seit 1965 in Nordenham lebenden Irmgard Münnich gewidmet. In diesem Jahr erschien ihr Gedichtband „Grabe, wo du stehst“. Reinhard Rakow: „Es macht Spaß, ihre Gedichte zu lesen.“ Diesen Spaß hatte mit den Zuhörern auch Irene Ullrich-Leimbach, die vier Gedichte von Irmgard Münnich vortrug.
Petra Schomaker aus Schwei berichtete über das Stadtleben ehemaliger Landbewohner, während Hannelore Pannek (ebenfalls Schwei) eine Katzengeschichte vorlas. Lust auf mehr machten auch Anke Stroman und Brigitta Röben aus Nordenham sowie Gundel Helmers aus Brake. Große Anerkennung fand das Werk „Sechs Tage“. Verfasst hat es Nicoleta Craita Ten’o aus Bremen. Sie beherrscht sechs Sprachen, ist aber seit 20 Jahre stumm. Deshalb trug Alfred Büngen vom Geest-Verlag die Geschichte vor.
Für den humorvollen Teil der Lesung standen Reimer Linnemann und Jens Wohlkopf aus Nordenham sowie Annemarie Harich-Golzwarden aus Brake und Willi Repnak aus Burhave. Letzterer ist mit 93 Jahren der älteste Autor des Lesebuches. Der Kaufmann hat eine Anekdote aus seinem Textilladen im Nordseebad niedergeschrieben, wo er den Spitznamen Willi Karton trägt und noch immer hinterm Tresen steht.
In der Anthologie sind auch plattdeutsche Werke des im August im Alter von 90 Jahren verstorbenen Großensieler Autors Hans Wohlkopf enthalten; eine seiner Erzählungen sowie ihr eigenes Werk „Die Raupe“ trug Gundula Niedzella vor. In die Rubrik „Nachdenkliches“ gehört das Werk „Zehn schwarze Kieselsteine“ der Nordenhamerin Marieta Ahlers. Mit einem literarischen Lauf durch die Abbehauser Wisch beendete Irene Ullrich-Leimbach die fast dreistündige, aber sehr kurzweilige Autorenlesung.
