NORDENHAM - Seinem losen Mundwerk hat Sedat Yildiz die interessantesten Erfahrungen seines Lebens zu verdanken. So war der türkischstämmige Nordenhamer schon 17 Mal auf einer Bühne zu sehen: In dem plattdeutschen Lustspiel „Lat us Lögen vertellen“ spielte der Muslim einen Pastor. In wenigen Wochen muss er sich vor einem ungleich größeren Publikum bewähren – in der ZDF-Kochshow „Die Küchenschlacht“.

Mit Steffen Henssler

In insgesamt fünf Sendungen muss er fünf andere Hobbyköche ausstechen. Dazu wird sein angeborenes Show-Talent allein nicht reichen: Ein prominenter Sternekoch wird die Gerichte der Kandidaten probieren und dann entscheiden, wer weitermachen darf.

Aber Sedat Yildiz und seine Mitstreiter bekommen auch Unterstützung von einem prominenten Sternekoch – diesmal ist es Steffen Henssler, wie er erzählt. Zudem kocht Sedat Yildiz, seitdem er ein kleines Kind ist. Schon als Siebenjähriger lernte der heute 40-Jährige von seiner Mutter die ersten Küchen-Kniffe.

Eine große Lehrmeisterin war für ihn Tante Lisbeth, eine Nachbarin aus der Atenser Brunnenstraße, an der er aufgewachsen ist. Wenn die Eltern nicht da waren, passte sie auf ihn auf – und später auch auf die kleineren Geschwister Saadet (heute 31) und Eyup (heute 28). Bald begann Sedat Yildiz auch für die Schwester und den Bruder zu kochen. In der Schule besuchte er mit Vergnügen den Kochunterricht. Sein Stil sei „Türsch“ – eine Mischung aus Deutsch und Türkisch.

Gerne wäre er Koch geworden. „Ich hatte auch schon eine Lehrstelle in Stuttgart“, erzählt Sedat Yildiz. „Doch meine Mutter wollte nicht, dass ich so weit weggehe.“ Deshalb bewarb er sich mit Erfolg bei NSW und wurde Maschinenschlosser.

Später war er auch kurzzeitig Fashion-Designer mit eigenem Geschäft an der Herbertstraße und Wirt im damaligen „Easy“ an der Martin-Pauls-Straße. Seit dem Januar vergangenen Jahres arbeitet er in der Produktion von Premium Aerotec.

Und dort passierte es in einer Nachtschicht: Sedat Yildiz erzählte den Kollegen von seinen Kochkünsten – und gleich musste er sie vorführen. Und weil er sich überzeugt zeigte, es mit den anderen Kandidaten in der „Küchenschlacht“ locker aufnehmen zu können, ließen ihn die Kollegen auch aus dieser Nummer nicht mehr heraus. Doch Sedat Yildiz ist auch mit Sportsgeist gesegnet, und deshalb bewarb er sich im Mai um die Teilnahme.

Er verschweigt nicht, dass er die Bewerbung „ausgeschmückt“ habe. Jedenfalls wollte die Redaktion ihn schon für den Juni buchen. Doch da kam sein Urlaub dazwischen, und deshalb wird Sedat Yildiz vom 16. bis 18. Oktober zur Aufzeichnung der fünf Sendungen nach Hamburg fahren. Im November sollen sie ausgestrahlt werden.

Knieper und Labskaus

Mit dabei sind Michael Köster, Dirk Hartmann und Jürgen Hollaender sowie sieben Kollegen von der Schicht. Sie werden im Zuschauerraum sitzen.

Sedat Yildiz wird sein Lieblingsgericht Labskaus kochen, als regionale Reminiszenz Knieper – das sind die Scheren von Taschenkrebsen – mit drei Soßen und einem Zwiebelsalat, dem er mit dem Gewürz Sumak jede Schärfe nimmt. Wenn er weiter kommt, wird er Brataal servieren, außerdem Petersilienwurzelsuppe und türkische Tortellini, wie sie seine Kinder Burak (12), Engin (9) und Ela (8) lieben.

Als Nachtisch will er Erdbeeren mit Pfefferminze aus dem eigenen Garten anbieten – „Ich nenne es ,After Nine‘“ – und gebackene Bananen auf geschroteten Pistazien: „Das Nussige gibt der Banane erst den Kick.“

Dabei hat sich Sedat Yildiz so gut wie nie Nachtisch gemacht, wie er unumwunden zugibt. Dennoch ist er zuversichtlich, dass er auch diese Herausforderung meistert: Bei seinem 40. Geburtstag am Sonnabend hat er für 50 Gäste eine Chinesische Pfanne gekocht. Und am 3. Oktober folgt eine weitere Generalprobe bei einem Techno-Konzert im ehemaligen „Easy“.