NORDENHAM - An der Nordseeküste gibt es „wirklich viele Museen – und wohl auch genug“. Das sagte Dr. Friedrich Scheele, der Leiter des Ostfriesischen Landesmuseums Emden, am Freitagnachmittag in seinem Festvortrag beim Neujahrsempfang im Nordenhamer Museum. Er warnte dringend davor, „die weniger werdenden Mittel auf noch mehr Häuser zu verteilen.“

Zu dem Neujahrsempfang hatte der Museumsverband für Niedersachsen und Bremen eingeladen. Dieser Empfang findet jedes Jahr an einer anderen Ort statt – wegen der 100-Jahr-Feiern diesmal in Nordenham. Rund 80 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter etwa 50 Museumsleiter.

Scheele schätzt die Zahl der Museen an der Nordsee auf „60, 70 oder vielleicht mehr“. Das Spektrum reicht vom Schwedenspeicher in Stade über das Wrackmuseum in Cuxhaven, das Muschelmuseum in Hooksiel, das Schloss zu Jever, das Deutsche Sielhafenmuseum in Carolinensiel und das Teemuseum in Norden bis zum Altnorderneyer Fischerhaus. Die Küste sei eine vor allem für die Touristen inszenierte Landschaft.

Es sei fraglich, ob die demographische Entwicklung eine solche Museumslandschaft tragen könne, deren Gestaltung ihn an „mittelalterliche Häuptlingsmentalität“ erinnere. Die Einwohnerzahl – in Ostfriesland entspricht sie mit 450 000 der einer kleinen Großstadt wie Dortmund – werde nicht steigen, die Jugend entwickle andere Interessen. Zudem seien die Menschen „museumsmüde“.

„Dass Touristen aus Museen fernbleiben, ist nur ein Problem“, sagte Scheele. Auch die Kommunen und Trägervereine seien mit der vielfältigen Museumslandschaft schlicht überfordert. Die überregionalen Mittel müssten auf die wenigen Leuchttürme in der Museumslandschaft, beispielsweise das Deutsche Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven mit seiner umfangreichen Forschungsarbeit, verteilt werden.

„Wir müssen erkennen, dass wir nicht alles aufbewahren können“, sagte Scheele. „Wir brauchen mehr Mut zur thematischen Konzentration und zum Abgeben von Exponaten an andere Häuser. Wir brauchen eine stärkere Profilierung der Häuser.“ Zudem brauche die Region ein neues Finanzierungskonzept für ihre Sammlungsarbeit, das helfe, kurzfristige Erwerbungen vorzufinanzieren, und „eine Konzentration auf bestehende führende Adressen.“

Auch der Vorsitzende des Museumsverbandes, Professor Dr. Ewald Gäßler vom Stadtmuseum Oldenburg, sagte, die Museumslandschaft an der Küste sei im Umbruch: „Das bringt spannende neue Entwicklungen, birgt aber auch Risiken.“ Ministerialdirigentin Dr. Anette Schwandner vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sagte, Museen seien Dienstleister. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Museumsbesucher ihren eigenen Kopf hätten, der nicht der Kopf des Museumsdirektors sei.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Angelika Zöllner dankte dem Rüstringer Heimatbund für sein Engagement im Museum, sonst „könnten wir so etwas Schönes gar nicht vorzeigen.“

Das Staunen der auswärtigen Gäste rief der Hinweis von Hans-Rudolf Mengers hervor, der von ihm geleitete Rüstringer Heimatbund zähle gut 1600 Mitglieder. „Sammeln, Bewahren, Forschen und Verbreiten ist unsere Aufgabe seit der Gründung“, sagte Mengers. Der Museumsleiter Dr. Timothy Saunders verwies nicht nur auf die bevorstehende Sonderausstellung zum 100-jährigen Bestehen Nordenhams, sondern auch auf die noch nicht ganz fertiggestellte neue Dauerpräsentation im Erdgeschoss. Sie stellt das Alltagsleben in Nordenham von 1908 bis 1933 dar.