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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Öffentlich-rechtliche bleiben unter sich

29.03.2015

Marl Bei der diesjährigen Verleihung der Grimme-Preise im westfälischen Marl sind die öffentlich-rechtlichen Sender unter sich geblieben. Alle zwölf Trophäen für Fernsehen mit vorbildlicher Qualität gingen an ARD, ZDF und Co. Unter den 65 Nominierten hatten sich unter anderem die ARD-Filme „Bornholmer Straße“ über den Mauerfall in Berlin und die „Tatort“-Folge „Im Schmerz geboren“ mit Ulrich Tukur durchgesetzt.

Vor der Feier wurde in einer Schweigeminute der Opfer der Flugzeug-Katastrophe gedacht. Viele der Toten kamen aus Haltern am See, die Stadt liegt nur rund 15 Kilometer von Marl entfernt. Es gebe in diesen Tagen bedeutendere Dinge zu bedenken als Fernsehpreise, sagte Moderator Jörg Thadeusz.

Die deutschen Privatsender gingen vollständig leer aus. Lediglich der private britische Sender Channel 4 kam mit der Co-Produktion „Die Kinder von Aleppo“ zusammen mit dem ZDF und Arte zum Zuge. Sie beschreibt das Schicksal syrischer Kinder im Bürgerkrieg.

„Ich dachte, dass man das niemals hinkriegen kann - also lass es uns versuchen“, sagte Tukur über den prämierten „Tatort“, der wegen seiner besonderen Brutalität auch in der Kritik gestanden hatte. Den Ober-Bösewicht in dem Krimi spielte Ulrich Matthes, das wurde von Moderator Thadeusz mit den Worten kommentiert: „Sie waren schon so oft so ekelhaft. So toll ekelhaft.“ Matthes nahm es mit Humor.

Weniger amüsiert gab sich Schauspieler Matthias Brandt, der in dem prämierten Film „Männertreu“ einen notorischen Schürzenjäger spielt (Überschrift der taz-Besprechung „Last Kotzbrocken standing“). Brandt reagierte eher verschnupft, als Thadeusz ihn fragte, ob denn für die vielen Liebesszenen ein Popo-Double engagiert worden sei.

„Der erste Gedanke war ,Grimme-Prei‘“, erzählte dagegen ein gut aufgelegter Schauspieler Jan Georg Schütte über seine Idee für die Komödie „Altersglühen - Speed Dating für Senioren“ - und hob die glitzernde Trophäe stolz in die Höhe.

Die Auszeichnung stehe nach wie vor für Qualität, sagt die Medien-Professorin Joan Kristin Bleicher von der Universität Hamburg. Das mache ihn bei den Öffentlich-Rechtlichen sehr beliebt und für viele Produktionen zum Türöffner. „Das genaue Gegenteil ist eher bei den kommerziellen Anbietern der Fall.“ Helmut Thoma (Ex-RTL-Chef) habe mal den Satz geprägt, „wenn eine RTL-Produktion einen Grimme-Preis erhält, werde ich sie sofort absetzen“, erzählt Bleicher. „Das trifft es auch.“

In Zeiten, in denen TV-Programme immer standardisierter seien, gewinne der Preis an Bedeutung, betont die Medien-Expertin. Sie habe schon den Eindruck, dass die Jury-Mitglieder sich „wie Trüffelschweine“ durch das Programm arbeiteten, um sehr gute Sendungen aufzuspüren. „Der Preis gewinnt eher an Bedeutung.“

Beispielsweise sei der in einem früheren Jahr ausgezeichnete „Tatortreiniger“ senderintern sehr umstritten gewesen. Durch den Grimme-Preis sei dem Format dann der Weg geebnet worden - erst zum NDR ins Abendprogramm und dann auch ins Erste. Manchmal gingen Publikumsgeschmack und die Gunst der Grimme-Jury allerdings auch auseinander, sagt Bleicher.

Dass Sendungen trotz ihrer Grimme-Preis-Weihen abgesetzt werden, hänge mit der Quotenorientierung der Sender zusammen. „Und der Grimme-Preis ist eben kein Quotengarant.“

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