OFENERDIEK - Helmut Bollmann fühlt sich noch heute ein bisschen schuldig. Vor Jahren hatte ihm ein Kind anlässlich des Metjendorfer Nikolausmarktes einen Wunschzettel übergeben. Und Bollmann – ganz Nikolaus – hatte dem Kind gesagt: „Wenn Du lieb warst, dann wird sich der Wunsch auch erfüllen“. Dann hat er den Zettel im Gedränge verloren – ohne zu wissen, was draufstand. „Auch die Eltern hatten keine Ahnung“, erinnert sich der gebürtige Ofenerfelder. Und so ist bis heute offen, ob sich der Wunsch vielleicht rein zufällig erfüllt hat. Seit neun Jahren agieren Bollmann und sein Freund Kurt Gorzel nun schon als Nikolaus und Knecht Ruprecht beim Nikolausmarkt. An diesem Sonntag wird es ihr letzter Einsatz sein: Sie hören auf.
Die beiden Ofenerdieker, seit Jahrzehnten Mitglieder im Ortsbürgerverein Metjendorf-Heidkamp-Ofenerfeld, kennen sich seit 1949. „In die Rollen von Nikolaus und Knecht Ruprecht sind wir so reingeschliddert“, sagen die beiden. Spaß aber habe es immer gemacht. An „das erste Mal“ können sich die Freunde noch gut erinnern. „Mehr als 400 Tüten für die Kinder haben wir da auf dem Marktplatz verteilt, der Ansturm war fast beängstigend“, sagt Kurt Gorzel: „In den Jahren darauf hat die Metjendorfer Feuerwehr dann immer abgesperrt – und die Kinder durften sich in Schüben nähern, um ihre Tüten in Empfang zu nehmen.“ Auch später gingen jährlich zwischen 300 und 400 Tüten weg. Die wurden übrigens für den Nikolausmarkt (siehe Info-Kasten) am Freitag im Heinrich-Kunst-Haus in Ofenerfeld von rund 20 Helfern „wie am Fließband“ gepackt, wissen die Männer, die vor ihrem Publikum ganz klar ohne Rute auftreten.
„Wir wollen den Kindern ja Freude bringen und sie nicht erschrecken“, sagt Kurt Gorzel. Die „Weihnachtsmänner“, wie sie sich selbst und ganz ohne Hierarchie-Gedanken nennen, fahren natürlich in einer Kutsche vor – mit Ponys und Fahrer und allem Drum und Dran. „So bin ich da ja reingeschliddert“, sagt Helmut Bollmann. Kutsche und Ponys werden nämlich von Familie Lorenz aus Ofenerfeld gestellt. Zu der hat Bollmann einen guten Draht – auch, weil sie das Elternhaus des gebürtigen Ofenerfelders bewohnt.
Helmut Bollmann und Kurt Gorzel werden zu Beginn des neuen Jahres ihren 75. Geburtstag feiern – für beide ein Grund, jetzt mit dem Amt als „Weihnachtsmann“ aufzuhören. „Irgendwann muss schließlich Schluss sein, sonst fallen wir noch aus der Kutsche“, lachen die beiden Freunde, die sich dennoch auf ihren letzten Auftritt freuen.
Eine Nachfolge ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, heißt es aus dem Ortsbürgerverein Metjendorf-Heidkamp-Ofenerfeld.
