OFENERDIEK - Die rollende Redaktion stand an der Pauluskirche. Ofenerdieker sagten ihre Meinung zum Verkauf des Gebäudes.
Von Susanne Gloger
OFENERDIEK - Die Kirche bleibt im Dorf – wenn man Ofenerdiek so bezeichnen darf: Das Schicksal der lange leer stehenden katholischen Pauluskirche ist besiegelt. Ein privater Investor hat sie gekauft, und eine Initiative möchte aus dem Gebäude ein Kulturzentrum machen. Ein Grund für die rollende Redaktion, einmal bei den Bürgern nach ihrer Meinung über diese Entwicklung zu fragen. Gestern stand das NWZ -Infomobil an der Kirche. Und die Ofenerdieker kamen trotz Kälte, Wind und Schnee in Scharen.„Dass die Kirche nicht abgerissen wird, ist die schönste Nachricht zu Beginn des neuen Jahres“, sagt Irmgard Köhler. Nun werde St. Paulus endlich repariert. „Das hätte man schon vor Jahren machen können. Da hätten alle hier Geld gesammelt, auch wir Protestanten“, ist sich Frau Köhler sicher. Froh darüber, dass die Kirche erhalten bleibt ist auch Marlies Diekmann. Die Profanierung (siehe Kasten links) nimmt sie hin. „Aber, dass der Bischof das Kreuz vom Dach entfernen lassen will, das entsetzt mich“, sagt die Ofenerdiekerin, und sie kritisiert das Machtspiel der Amtskirche.
Irmhild Böske findet es „beschämend, dass man das Kreuz wegnehmen will“. Schließlich sei es das einzige Kirchenkreuz, das man öffentlich in Ofenerdiek sehe. Die Paulus-Werkstatt (eine Initiative von Gläubigen, die um den Erhalt der Pauluskirche kämpfte) habe sich stets für einen Raum der Stille und Besinnung eingesetzt. „Da muss erst ein weltlicher Mensch kommen, der das schafft.“
Ihr Mann Heinz Böske, ebenfalls engagiertes Mitglied der Paulus-Werkstatt, sagt: „Für mich als Katholik ist es eine Schande, wie die Kirchenleitung sich verhalten hat. Drei Jahre lang haben wir Eingaben nach Vechta gemacht, und drei Jahre lang hat man uns abgewimmelt.“ Als absolute Spitze bezeichnet Böske die Wegnahme des Kreuzes vom denkmalgeschützten Gebäude. Architektonisch kröne das Kreuz das Gebäude, symbolisch sei es das Ziel des christlichen Lebens. „Nimmt der Bischof uns das Kreuz, nimmt er uns das Ziel.“ Er sei aber froh, dass die Kirche nicht abgerissen wird, betont der Ofenerdieker.
Hugo Gote (ebenfalls von der Paulus-Werkstatt) möchte nach dem Verkauf der Kirche nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. „Christen haben schon in allen Zeiten – oft unter großen Opfern – Kirchen, Dome und Kathedralen zur Anbetung, Ehre und zum Lobe Gottes gebaut. Das dachten wir auch, als wir die Pauluskirche bauten und viele – so wie ich – dafür Gelder monate- ja jahrelang gesammelt haben. Wo ist unser Glaube geblieben, ist er dem Kommerz gewichen?“ Vielen Gläubigen, so wie ihm auch, sei der Ablauf des Geschehens unbegreiflich.
Helmut Domsky möchte lieber nach vorne gucken. „Ich bin froh, dass alles so schön geklappt hat. Wir müssen uns jetzt den Tatsachen stellen“, sagt er. Domsky sieht viele Chancen für ein Kulturzentrum. Als Mitglied des Vereins der Freizeitkünstler könnte er sich St. Paulus zukünftig gut als Ort für Ausstellungen vorstellen. „Aber ich habe zwei Seelen in meiner Brust“, so Domsky. „Ich bin auch traurig, darüber, dass es hier keine katholische Kirche mehr gibt.“
Der Musiker Kalle Popp, der sich in der Initiative für das Kulturzentrum Ofenerdiek engagiert, sieht viele Möglichkeiten für die Zukunft. Ein Gospelchor solle gegründet werden. „Erste Anmeldungen gibt es bereits.“ Und das Gebäude biete Platz für Podiumsdiskussionen zu religiösen Themen. Geplant sei schon, den original Glockenschlag aufzunehmen und eine Chronik der Kirche zu verfassen – beides könne später als Buch mit CD erworben werden. Darüber, dass die Orgel in der Kirche bleibt, freut sich der Musiker besonders.
Karin Richter wünscht sich ein „Haus der Musik“ in der Pauluskirche. Und als Mitglied des Posaunenchors Ofenerdiek hofft sie, im Kulturzentrum einen Probenraum für das Orchester zu finden.
