Wildeshausen - Ein Spanier, der sich liebestoll auf dem Boden dreht. Ein König, dessen Zepter ein Schuhspanner ist. Oder ein „Don-Kosaken-Quartett“, das von der Liebe und Selbstmitleid singt. Eine herrliche Scharade, voller Esprit und Wortwitz, bot die Bremer Shakespeare Company mit dem Stück „Verlorene Liebesmüh“ (Original: „Love’s Labour’s Lost“) am Sonnabend im Forum des Wildeshauser Gymnasiums. Es war zugleich der Auftakt zur neuen Spielzeit des Kulturkreises.
Die Handlung ist eigentlich schnell erzählt: Am Hof des Königs von Navarra (gespielt von Thomas Ziesch) schwören dessen drei Freunde, die Lords Dumaine (Markus Seuß), Longaville (Tim D. Lee) und Berowne (Erik Roßbander), dass sie die nächsten drei Jahre ganz dem Studium widmen und für diese Zeit allen weltlichen Genüssen – vor allem der Gesellschaft von Frauen – entsagen wollen. Kurz darauf trifft jedoch die Prinzessin von Frankreich mit ihren Hofdamen ein, um im Auftrag ihres Vaters mit Ferdinand politische Geschäfte zu erledigen. Die Verführung in Gestalt der vier reizvollen Damen, ebenfalls von den vier Männern dargestellt, stellt den Treueschwur vor eine große Belastungsprobe.
Das Quartett bietet vor allem ein Feuerwerk der Sprache – mal weise, mal emotional, aber meist herrlich verrückt. Da gibt es Sprüche wie „Es wird ihnen zu Herzen gehen, wenn sie sich nicht herzen“ oder „Wo alle glühen, ist Erröten keine Sünde“. Selbst aus der „Gabe“ wird eine „Gabel“. Wenn Berowne sagt, er sei „schnell wie Blei“, meint er Wortsalven so schnell wie Pistolenkugeln. Und fügt hinzu: „Oh süßer Pulverdampf der Redekunst.“ Geradezu zum Schenkelklopfen ist das Lispeln von Markus Seuß als „Don Adriano“.
Der Witz geht meist auf Kosten der Männer: Da ist von „Rindvieh“ die Rede, es gibt Anspielungen auf „Bunga-Bunga“-Partys oder die Plagiate eines Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Schauspieler, die sich temporeich vor Spiegeln umziehen, halten der Gesellschaft selbst den Spiegel vor: Der weiße Anzug mit glitzerndem Revers und Finger-Schnippen als Ersatz für die Showwelt oder der Talk im Cordsakko mit braunem Rollkragen-Pullover und Hornbrille (aber in Unterhosen) als Synonym für Spießertum.
Die gut dreistündige Vorstellung, unterbrochen von einer Pause, vergeht wie im Flug. Das hohe Tempo, all die Lieder und Showeinlagen, lässt den Figuren dennoch Zeit für kleine Gesten: Wenn beispielsweise „Sie“ „Ihm“ die Krawatte binden muss. Und niemals gleitet die Maskerade ganz in einen Klamauk ab. Stimmig auch die Musik, vorgetragen von Ezzat Nashashibi. Vollends beeindruckt die perfekte Logistik beim Kleiderwechsel. Am Ende klappen die Vier die Schminktische zusammen und stehen mit Kleiderkorb auf der Bühne. Der lange Applaus ist ihnen sicher.
