Ohmstede/Donnerschwee - Einen Aufschrei hat es in Donnerschwee nicht gegeben. Noch nicht jedenfalls. Die Tatsache, dass es ab April in der Versöhnungskirche (Kranbergstraße) nicht mehr den üblichen Gottesdienst am Sonntagmorgen, sondern am Sonntagabend gibt, hat zumindest im Bürgerververein keine ungläubigen Reaktionen hervorgerufen. „Bei mir hat sich noch niemand gemeldet“, erklärt die Vereinsvorsitzende Sigrun Spaeth auf Nachfrage der NWZ nach kritischen Stimmen zum Projekt „Zukunft gestalten“. Sie selber könne die Entscheidung für das Konzept (siehe Infokasten) nachvollziehen.

Was sagt denn Kreispfarrerin Ulrike Hoffmann dazu? Sie sitzt an der Spitze des Kirchenkreises in der Ev.-Luth. Kirche der Stadt Oldenburg:

Wie bewerten Sie dieses Gottesdienstangebot

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Ich begrüße diesen Neuansatz der Gemeinde. Weil die Welt und die Lebensgewohnheiten von Menschen sich verändern, kann auch in der Kirche nicht immer alles so bleiben wie es vermeintlich immer war.

Der Gottesdienstbesuch unserer Mitglieder verändert sich ständig. Wenn die Gemeinde der Feiernden am Sonntagmorgen immer kleiner wird, ist es angeraten, daraus Konsequenzen zu ziehen und der Gemeinde Neues vorzuschlagen. Die Leitenden in der Kirchengemeinde Ohmstede haben die Veränderung durch Umfragen und Gespräche unter ihren Gottesdienstbesuchern gut vorbereitet und verantwortlich entschieden, dass sie sonntags lieber in einer stattlichen Gemeinde zusammen als in kleinen Gruppen getrennt feiern möchten. Als Ort kirchlicher Präsenz im Stadtteil bleibt das Gebäude im Hartenkamp ja erhalten. Gottesdienst-Zeiten sind übrigens nicht heilig. Der 10-Uhr-Gottesdienst stammt aus einer Agrar-Gesellschaft und passt für viele nicht mehr gut in ihre Wochenendabläufe. Die Abendzeit ist ein Versuch, darauf zu reagieren. In der Versöhnungskirche jede Woche Gottesdienste mit populärer Musik und in zugänglichen Formen zu feiern, die Stille, Begegnung und Berührung ermöglichen, halte ich für eine schöne Idee. Ich bin gespannt auf die Resonanz.

Darum geht’s

Der Hintergrund: Wie berichtet, zieht die Kirchengemeinde Ohmstede (zu der die Bezirke Donnerschwee, Nadorst und Etzhorn gehören) schon jetzt Konsequenzen aus der Tatsache, dass die sogenannte Freiburger Studie für die evangelische wie katholische Kirche bis zum Jahr 2060 einen Mitgliederschwund um 50 Prozent prognostiziert. Gleichzeitig verliere man fast 25 Prozent der Mitglieder bis zum 31. Lebensjahr.

Die Konsequenz der Kirchengemeinde Ohmstede: Ab Gründonnerstag (9. April) gibt es den Sonntagmorgengottesdienst nur noch in der Ohmsteder Kirche (Rennplatzstraße). Ein Fahrdienst wird eingerichtet, sonntags ab 18 Uhr wird in der Versöhnungskirche ein Gottesdienst in neuer Form gefeiert. Im Gemeindezentrum am Hartenkamp konzentriert man sich auf soziale und diakonische Aufgaben.

Ist das neue Konzept zu gewagt

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Es ist mutig, sich von etwas zu verabschieden, was einmal gut war, aber nun nicht mehr passt. In den 70er Jahren war es der Kirchengemeinde wichtig, mit dem Gemeindezentrum Hartenkamp nah bei den Menschen im Viertel zu sein. Das wird mit der Präsenz von Diakonie, Stadtteilarbeit und Kita auch so bleiben. Aber als Ort für Gottesdienste hat sich das Gebäude in den letzten Jahren nicht mehr bewährt. Schon jetzt werden die Gottesdienste in der Stadt zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Formen für unterschiedliche Altersgruppen gefeiert.

Gibt es Änderungen auch in anderen Gemeinden

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Zur Zeit sind alle evangelischen Gemeinden in der oldenburgischen Kirche mit Überlegungen über die zukünftige Arbeit der Pastoren und Pastorinnen beschäftigt. In den nächsten 15 Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand. Dabei wird auch über Gottesdienst-Zeiten und -Orte gesprochen. Ich gehe davon aus, dass die „Gottesdienst-Landschaft“ bunter wird hinsichtlich Zeiten und Formen und dass nicht mehr jeden Sonntag in allen Kirchen um 10 Uhr Gottesdienst stattfinden wird.