OHMSTEDE - OHMSTEDE - „Formklarheit“ hieß das Zauberwort. Die Klarheit der melodischen Lineatur und die Verständlichkeit des Wortes, kunstvoll vereint mit wirkungskräftiger Vokalmusik, zeichnete den „Palestrina“-Stil des 16. Jahrhunderts aus. Die kontrapunktische Satzkunst galt nicht nur zu Palestrinas Zeit als mustergültig. E.T.A, Hoffmann — der dann doch lieber als Dichter reüssierte — schrieb kunstvolle Kanones, die eine Palestrina-Renaissance begründeten, Johannes Brahms folgte ihm, und auch Joseph Rheinberger, ein als Komponist fast vergesessener Brahms-Zeitgenosse, fühlte sich jener Klarheit und einem eher konservativ-klassizistischen Komponierstil verpflichtet, der damals nicht sonderlich geschätzt war.

Welch hohe musikalische Qualität Rheinbergers Kirchenmusik hat, zeigten der Singverein Oldenburg und Solisten unter Leitung von Manfred Klinkebiel in der Ohmsteder Kirche. Seine Messe in f (op. 159) umrahmte Kompositionen für Orgel, Solostimme und Chor von Mendelssohn-Bartholdy, Brahms und Dvorak: eine feine Dramaturgie, die durch entspannte Gelassenheit und innige Beschaulichkeit überzeugte. „Regina coeli“ aus Brahms´ „Drei geistlichen Chören“ (mit schön zusammengehaltenen Bögen Heike Bienert, Alt) und Mendelssohns Hymne nach Psalm 55 „Hör mein Bitten“ (mit dem leuchtenden Soprangesang Deborah Bartrams) pointierten den ruhigen Atem, den Klinkebiel den Mitwirkenden vorgegeben hatte, reizvoll in eigener Weise. An ihr hatte auch das geradlinige Orgelspiel von Vanessa Galli seinen Anteil; etwas mehr Verve und Elastizität, zumal in Mendelssohns „Vater-Unser-Sonate“, hätte man sich schon gewünscht.

Entsprechendes gilt für den Chor, dessen Klang zuweilen, etwa in den hohen Lagen, mit ein wenig mehr stimmlicher Präsenz sicherlich noch besser hätte gefallen können. Gleichwohl gelang ihm dank feiner Artikulation und Phrasierung, stringenter Rhythmik und behutsamer Entfaltung des polyphonen Stimmengeflechts eine treffende Darstellung von Rheinbergers Kunst als der Kunst eines „romantischen Palestrina“ — schlicht und doch beseelt, kunstvoll ohne alle falschen Effekte: Unter dem Strich ein gut durchdachtes, ansprechendes Konzert, für das sich das Publikum mit herzlichem Beifall bedankte.