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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ohne Unterhose in die Hose

25.02.2012

OLDENBURG Das Ganze ließe sich leichthin mit einem bajuwarischen Kraftausdruck auf den Punkt bringen: ein Schmarrn. Was jedoch ungerecht wäre, denn die neun Darsteller der deutsch-niederländisch-flämischen Koproduktion, die am Donnerstag zum Auftakt des „Go West“-Festivals ihre Uraufführung in der Oldenburger Exerzierhalle erlebte, haben eine Botschaft, obendrein eine politische. Nur versteht sie keiner.

Was nicht an Sprachpro­blemen liegt. Den nicht enden wollenden Einführungschor mit Echo-Funktion hätte es nicht gebraucht. Das Publikum ahnt, was da aus den riesigen Pappmaché-Eiern ausgebrütet werden soll, nickt wohlwollend und verständnisvoll. Ob auch amüsiert, erscheint nach 100 Minuten ohne Pause und eher höflichem Beifall aber eher fraglich.

Roter Faden? Fehlanzeige. Handlung? Allenfalls in Spuren. Aber schön laut, schön bunt ist „Der (kommende) Aufstand“ nach Friedrich Schiller. Von dem ist in dieser schrillen Mixtur, diesem sprachlich-musikalischen Remix, einiges vorhanden: Passagen aus „Don Carlos“, die zeigen, dass da durchaus schauspielerisches Potenzial vorhanden ist, und Zitate aus Schillers historischer Schrift „Geschichte des Abfalls der Niederlande“ von 1788.

Historischer Hintergrund war der Aufstand der Niederländer, die 1568 einen Kampf für religiöse, politische und wirtschaftliche Freiheit gegen die spanische Regierung führten und damit den 80-jährigen Krieg auslösten. Es war der Beginn einer neuen Epoche, für Schiller das „glänzendste Jahrhundert“ der Weltgeschichte mit freien Bürgern, Staaten und Märkten. Nicht umsonst wurde in Amsterdam die erste Wertpapierbörse der Welt eröffnet.

So weit, so sinnig. Doch das Berliner Theater-Kollektiv andcompany&Co., das seit 2005 mit Frascati Producties Amsterdam zusammenarbeitet, hat nicht vor, diese oder irgendeine Geschichte auf der putzigen Guckkasten-Bühne zu erzählen, die nichts weniger als das spanische Klosterschloss El Escorial darstellen soll. Stattdessen mixt es sein wirres Szenario mit einem weiteren Traktat – der französischen Flugschrift „Der kommende Aufstand“ von 2007, ein antikapitalistisches Manifest des linken Aussteigertums, und noch mehr Zitaten.

Unvermittelt wird immer wieder der Bogen in die Gegenwart geschlagen. Themen wie Banken- und Eurokrise, Staatsbankrotte, Raubtierkapitalismus und Occupy-Bewegung werden in Fragmenten angekratzt – mit allerlei albernen Aufsetzern.

Weshalb einer der Darsteller in Holzpantinen, aber ohne Unterhose durch die Publikumsreihen geht und agitiert, bleibt ein Geheimnis der Inszenierung. Zuletzt kommt noch etwas in eigener Sache: die radikale Kürzung der Subventionen für Darstellende Künste in den Niederlanden.

Sekundenlang ist man versucht, diesem Plan zu applaudieren. Doch nein, das wäre ungerecht. Schließlich gibt es eine ernste politische Botschaft. Nur so verquast sollte man sie nicht auf die Bühne bringen.

 @ Alle NWZ -Theaterkritiken unter: http://www.NWZonline.de/theater

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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