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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Satire und Spottreden nicht den Politikern überlassen

14.01.2020

Oldenburg Uwe Schwettmann sollte eigentlich nichts überraschen können. Schließlich ist der Mann einer der Gründer der Oldenburger Kabarett-Tage. Doch nun, bei der 25. Auflage des humorigen Festivals, ereilt selbst ihn Unerwartbares: Beim Jubiläum muss ein Künstler eine Zusatzshow geben, wegen der übergroßen Nachfrage.

Verantwortlich für diese Premiere ist Moritz Neumeier, dessen Programm „Lustig“ auf so viel Interesse stößt, dass es in der Studentenwerksbühne „Unikum“ am Uhlhornsweg doppelt läuft am 16. Januar, ab 16 und ab 20 Uhr. Ein würdiger Einstieg ins Jubiläum, das bis zum 27. Februar stattfindet, ist dieser Bonusauftritt allemal, und verdient hat sich der ehemalige Poetry-Slammer die Aufmerksamkeit auch. Denn was Neumeier in seinem Soloprogramm anbietet, ist hochpolitisch – auch wenn er sich eher als Comedian betrachtet.

Damit definiert Neumeier bereits plastisch, was das Kabarett heutzutage umtreibt. Ist es noch satirische Speerspitze gegen Regierung, Gesellschaft und Wirtschaft, wie sich einstige Größen wie die Münchner Lach- und Schießgesellschaft oder das Düsseldorfer Kommödchen wohl sahen? Oder ist Kabarett bereits bereit, für einen großen Lacher auf tiefschürfenden Inhalt zu verzichten? „Politisches in der Art früherer Jahre zu bringen, ist in der Tat schwieriger geworden“, meint Schwettmann. „Der Nachwuchs macht da vieles anders.“ Aber das mit Substanz, die blühende Poetry-Slam-Szene habe dazu viel beigetragen. „Deren Einflüsse sind verstärkt spürbar.“

Der Titel der Festival-Ausgabe „Fünf vor Zwölf“ ist mithin mehrdeutig zu verstehen. Einerseits zwingt die politische Lage viele Künstler dazu, deutlich Stellung zu beziehen, bevor es zu spät ist. Andererseits bringen Kabarettisten die Zuschauer auch in solchen problembeladenen Zeiten „zum Lachen und dazu, dass es uns im Halse stecken bleibt“, findet Mitorganisator Jürgen Boese.

Der Vorverkauf, der nach Schwettmanns Aussage „bestens“ läuft, hat bei Neumeier im „Unikum“ ebenso ein „Ausverkauft“ erzielt wie bei Jochen Malmsheimer, der am 22. Februar die Kulturetage mit seinem Programm „Ermpftschnuggn trødå! – hinterm Staunen kauert die Frappanz“ zum Beben bringen dürfte. Auch wenn es der Titel nicht verrät, so nimmt Malmsheimer an diesem Abend doch den Kampf um Bildung, Toleranz und Anstand auf – einen Kampf für die deutsche Sprache.

Zumindest einen kleinen Sieg erzielt beim Festival auch die ansonsten eher kleine Szene der Kabarettistinnen. Zwei Abende sind ihnen reserviert: Die Dresdenerin Anna Maria Vogt legt mit ihrer Formation Anna Mateur & The Beuys das „Protokoll einer Disko“ vor, notiert irgendwo zwischen Ordnung und Chaos. Und Sarah Bosetti nimmt in „Ich habe nichts gegen Frauen, du Schlampe – mit Liebe gegen Hasskommentare“ als feministische Kabarettistin den Feminismus auf die Schippe.

Die 25. Oldenburger Kabarett-Tage bringen mit weiteren Großmeistern des gesprochenen Humors wie Reiner Kröhnert, Christoph Sieber oder Jan-Peter Petersen (der 1995 die ersten Kabarett-Tage im Duo „Alma Hoppe“ eröffnet hatte) viel Qualität auf die Bühnen der Kulturetage und des „Unikum“, und sie machen sich und ihren Besuchern zudem ein Jubiläumsgeschenk.

Nicht nur wie üblich acht Kabarettistinnen und Kabarettisten sind dabei, sondern gleich zehn. „Zweimal fünf an jedem Veranstaltungsort, da ist sie wieder, die Zahl 25“, lacht Schwettmann. Jubiläum ist aber nur einmal.


     www.kulturetage.de 
     www.studentenwerk-oldenburg.de/de/kultur.html 
Klaus Fricke
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