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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Affäre Zwischen Ost- und West-Jerusalem: Beziehungsdrama mitten im Nahost-Konflikt

14.03.2019

Oldenburg Beziehungsdramen im Film oder auf der Bühne nehmen selten ein gutes Ende. Das gilt auch für Sarah und Saleem, beide verheiratet, die heimlich eine Affäre haben – Sex im Laderaum eines Lieferwagens. Zum „Fall“ wird ihr riskanter Seitensprung durch die besonderen Umstände: Sarah ist Israelin aus West-Jerusalem, Saleem Palästinenser aus Ost-Jerusalem. Hilflos müssen sie zusehen, wie ihr privates Abenteuer außer Kontrolle gerät, zum Politikum und zur Spionageaffäre wird.

Der in Jerusalem lebende palästinensische Regisseur Muayad Alayan und sein für das Drehbuch verantwortliche Bruder Rami Alayan erzählen in „Der Fall Sarah und Saleem“ (Bundesstart an diesem Donnerstag) auf ungewohnte Art vom Nahost-Konflikt. Ein Gefühl von Beklemmung beherrscht die Handlung des rund zweistündigen Films. Die Demarkationslinie in der geteilten Stadt, so strahlend schön sie auch in der Sonne liegt, zieht sich durch alle Lebensbereiche ihrer Bewohner. Auf beiden Seiten lauert die Staatsgewalt, um sich ins Privatleben der Menschen zu drängen, die keinerlei Einfluss nehmen können und dem militärischen Machtapparat ausgeliefert sind.

Kameramann zu Gast

Der Film „Der Fall Sarah und Saleem“ startet an diesem Donnerstag bundesweit in den deutschen Kinos – nur im Original mit deutschen Untertiteln. Der deutsche Kameramann Sebastian Bock (Hamburg) kommt an diesen Sonnabend, 19.45 Uhr, zur Vorstellung ins Oldenburger Cine k (Bahnhofstraße 11).

Die Geschichte beginnt simpel, und der Regisseur nimmt sich Zeit für ihre tragische Zuspitzung. Die Jüdin Sarah (Sivane Kretchner) hat ein Café, der Palästinenser Saleem (Adeeb Safadi) liefert ihr die Backwaren. Sie treffen sich manchmal abends auf einsamen Parkplätzen und entfliehen für kurze Zeit ihrem problematischen Alltag. Saleem kommt aus der finanziellen Abhängigkeit vom Bruder seiner schwangeren Frau nicht heraus, Sarah hat eine Tochter und ist mit einem strengen, ranghohen Offizier der israelischen Armee verheiratet, dem sie bei jeder Versetzung folgen und dafür immer aufs Neue ihr Café aufgeben muss.

Als sie ausnahmsweise eine Bar in Bethlehem besuchen und es zu einem Streit mit einem aufdringlichen Gast kommt, fliegt ihre Affäre nicht nur auf, die beiden geraten dabei ins Visier der Geheimdienste und verstricken sich in einem Netz aus Lügen. Ihr persönlicher Verrat am jeweiligen Ehepartner gerät zum Landesverrat. Saleem wird inhaftiert und als Held verehrt, Sarah auf der anderen Seite als Verräterin beschimpft.

Regisseur Muayad Alayan erzählt zunächst ganz bedächtig, oft sind die Beteiligten im Auto unterwegs, von Ost nach West und umgekehrt. Ein Leben durch die Windschutzscheibe. Erst nach gut einer Stunde spitzt sich die Situation zu, wird aus dem Drama ein Thriller. Die Kamera ruht verstärkt auf den Gesichtern, die sich allmählich verändern und von dem Leid, das da über sie hereinbricht, gezeichnet werden. Am stärksten verwandelt sich Maisa Abd Elhadi als Saleems schwangere Ehefrau Bisan – vom schüchternen Mädchen über die Betrogene zur verhärmten, aber entschlossenen Frau, die sich konsequent aus der partnerschaftlichen und familiären Abhängigkeit löst.

Erst da zeigt sich, dass es eine fragile Brücke über alle Grenzen hinweg geben kann – von Frau zu Frau. Immerhin ein Anfang.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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