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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Aisha Abo-Mostafa Im Porträt: Zu Hause zwischen den Welten

18.12.2019

Oldenburg 12.26 Uhr. Zum Gespräch mit der Redakteurin ist Aisha Abo-Mostafa nahezu pünktlich wie die Maurer. „Die Pünktlichkeit ist wohl sehr Deutsch an mir“, sagt sie lachend. Die 25-Jährige ist Tochter einer Französin und eines Palästinensers. Geboren im unterfränkischen Würzburg, aufgewachsen im Schwarzwald und angekommen in Oldenburg, wo sie nach dem Studium der Regie für Film und Theater als Regieassistentin am Staatstheater arbeitet. In diesen Tagen wurde Aisha Abo-Mostafa während der 7. Berner Bücherwochen für ihre Gedichttrilogie mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Das Thema: Heimat und Menschheit.

Die junge Frau ist nicht nur Regieassistentin, sie schreibt bereits seit Jahren Gedichte. Dass sie sich den Hauptpreis mit Nina Tröger teilt, stört sie nicht im Geringsten. Um so schöner sei es doch, dass beide Frauen auf dem ersten Platz landeten, findet sie.

Was bedeutet Heimat für die junge Frau, eine Person mit solch unterschiedlichen kulturellen Hintergründen? „Ich verbinde Heimat mit einem Gefühl von Zuhause sein, geborgen sein. Das muss nicht immer an einen Ort gebunden sein.“

Die 25-Jährige bezeichnet sich selbst mit etwas Humor als Nicht- und Doch-Deutsche. „Nicht-Deutsche, weil meine Eltern nicht-deutschstämmig sind.“ In ihrer Kindheit und Jugend hat sie verschiedene kulturelle Einflüsse aufgesogen wie ein Schwamm: Arabisch, Französisch, Deutsch, Türkisch und Marokkanisch. Das prägt sie bis heute. Oft habe sie den Satz gehört: “Du bist doch keine Deutsche.“

Daher – und mit etwas Trotz – der Begriff Doch-Deutsche. „Auch mit diesem Namen“, meint Abo-Mostafa verschmitzt. Und wo ist ihre Heimat heute? „Deutschland ist eine und meine Heimat“, sagt Aisha Abo-Mostafa bestimmt. Es sei das Land, in dem sie aufwuchs.

In puncto Heimat lässt sich die junge Frau nicht festlegen – ebenso wenig wie auf ein Genre. Denn sowohl die Möglichkeiten des Films als auch des Theaters schätzt die Wahl-Oldenburgerin sehr: „Die Arbeit am Theater ist ganz anders als am Filmset.“ Die Interaktion mit dem Publikum sei ganz besonders, vor allem mit Kindern. „Man ist nah am Menschen dran – wenn man spricht, hat man Blickkontakt.“

Andererseits liebe sie auch den Blick durch die Kamera. „Ich mag es, Bilder zu gestalten. Im Film hat man die Kontrolle über das Bild.“ Man sei nicht in einem festen Haus, sondern drinnen oder draußen, mit verschiedenen Menschen an verschiedenen Orten. Im Film lasse sich sehr gut mit Effekten und Musik spielen.

Wir haben immer ein gutes Gewissen, solange wir schreiben.

Während sie draußen schon die Fahnen hissen.

Es ist recht einfach, Zeilen mit Reimen zu füllen, während sie draußen Hass- tiraden brüllen.

Auszug aus „Wir Dichter“

In der Zeit, in der das Gedicht „Wir Dichter“ entstand, habe sie viele Nachrichten gesehen, die ihr Angst machten. „Da war der Drang, etwas tun zu müssen“, sagt die 25-Jährige. „Aber ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte.“ Besonders beim Thema Rechtsruck in Deutschland, worauf das Gedicht abzielt, empfänden viele Menschen das Gefühl der Machtlosigkeit. Dabei erwischte sie sich dabei, wie sie seit Tagen schrieb und doch nicht weiterkam. Auch diesen Umstand beschreibt „Wir Dichter“. Einer ihrer lyrischen Vorbilder ist Bertolt Brecht – neben Ulla Hahn, Goethe, Schiller und Heine.

Im Bereich Theater schätzt Abo-Mostafa die Arbeit von Regisseurin Luise Voigt, die unterschiedliche Medien einsetzt. Oder auch Karsten Dahlem, der am Staatstheater Romeo und Julia inszenierte. Eine 180-Grad-Wende vollführt die Regieassistentin mit ihrem filmischen Vorbild: „Quentin Tarantino!“ Da darf es gern eine dynamische Erzählweise sein.

Sich auf eine Richtung festzulegen, ist für die 25-Jährige allerdings auch überhaupt kein Muss: „Man kann in verschiedenen Kunstrichtungen zu Hause sein – wie man auch verschiedene Heimaten haben kann.“

Tonia Hysky Redakteurin / Redaktion Kultur/Medien
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