OLDENBURG - Als hätten sie gewusst, dass des Oldenburgers liebstes Fortbewegungsmittel das Fahrrad ist, führten die Artisten im chinesischen Nationalcirkus (schreibt sich traditionell mit „c“) gleich zwei Nummern mit Fahrrädern auf. Und auch wenn der Oldenburger Radfahrer gerne mal seinen Gepäckträger als Mitfahrgelegenheit anbietet, etwa 13 Personen wird er auf seinem Gefährt nicht unterkriegen. Der chinesische Nationalcirkus aber kann das und bewies am Mittwochabend in der Weser-Ems-Halle, was jahrelanges Training hervorbringt: Geschicklichkeit, Biegsamkeit und eine farbenprächtige Show mit dem gewissen chinesischen Flair.
Rund 1350 Zuschauer waren in die Kongresshalle der Weser-Ems-Halle gekommen, um die 24 chinesischen Artisten im Alter von elf bis 49 Jahren zu bestaunen, die dort einen Abend lang mit ihrem Programm Seidenstraße gastierten. Darin gehe es vor allem um den kulturellen Austausch zwischen China und Europa, erläuterte Tourmanagerin Nicolette Sroka.
Alles beginnt damit, dass der Flug einer Gruppe Reisender, die von Peking nach Berlin fliegen wollten, ausfällt. Also machen sich die Männer, Frauen und Kinder auf der Seidenstraße, die in den vergangenen zweitausend Jahren Lebensader für den Austausch von Ost nach West war, auf den Weg.
Die verschiedenen Episoden wurden dabei von einer Stimme aus dem Off erzählt und von den Artisten kunstvoll dargestellt. Das Bühnenbild ist schlicht gehalten, so dass es den Blick auf die Artisten lenkt. Das war auch gut so, denn zeitweise agieren zehn Artisten gleichzeitig auf der Bühne. „Wir haben in diesem Jahr aber auch mehr Einzelartisten auf der Bühne“, erklärte Nicolette Sroka. Und die zeigten in aller Ausführlichkeit ihr Können: Salti, Balancieren mit Blumentöpfen oder Koffern, Jonglieren mit Hüten oder perfekte Körperhaltung bei der Bodenakrobatik.
Aber trotz routinierter Professionalität ließen die Artisten Menschlichkeit durchblitzen, nicht alle Nummern gelangen fehlerfrei.
Weil das Programm Europa und China verbinden soll, gab es am Mittwochabend nicht nur einen chinesischen, sondern auch einen europäischen Clown, dargestellt vom Produzenten der Show Raoul Schoregge. Das Duo sorgte mit – natürlich beabsichtigten – schlechten Akrobatiknummern für viele Lacher. Auch eine Nummer mit Wasser durfte nicht fehlen – dabei hätte sich der eine oder andere Zuschauer wohl selbst eine kühle Dusche gewünscht, denn die Temperaturen in der Kongresshalle stiegen, genau wie die Künstler, ebenfalls in abenteuerliche Höhen.
Untermalt wurde die Akrobatik mit Musik vom Geiger Mani Neumann und seiner Band „farfarello“. Seit Dezember sind die Artisten in Europa unterwegs, insgesamt werden sie bis Mai rund 140 Shows gegeben haben.
Dem begeisterten Publikum gab das Ensemble am Ende der abenteuerlichen Reise einen guten Ratschlag: „Lass den Flieger stehen und du wirst Wunder sehen“.
